Interview zum Gebetstag um geistliche Berufungen

6. Mai 2021
Paderborn
Die Intention des heutigen Gebetstags um geistliche Berufungen lautet: Theologiestudent/innen und Religionspädagog/innen. Dieses Thema haben wir als Anlass genommen, um mit den drei Studenten Thomas, David und Christina zu sprechen.

In dem Interview erzählen die drei, was sie dazu bewegt hat Angewandte Theologie zu studieren, wie sie ihren Glauben in der WG leben und mit welcher Motivation sie in der aktuellen Zeit das Studium angehen.

Ihr studiert alle drei Angewandte Theologie an der Katho in Paderborn und habt somit das Berufsziel Gemeindereferent/in. Was hat euch dazu bewegt diesen Beruf der Kirche anzugehen?

Schon seit Jahren machen wir die unterschiedlichsten Erfahrungen mit dem Glauben und der Kirche. Vieles ist uns schon vertraut, wir sind quasi mit dem ehrenamtlichen Engagement aufgewachsen. Immer mit dabei: Menschen, die Vorbilder für uns sind und waren. Diese sind maßgeblich für unsere positiven Erfahrungen mit der Kirche und dem Berufsbild verantwortlich. Warum wir also diesen Beruf ausüben möchten? Wir wollen unseren Glauben weitergeben und anderen Menschen dieselben Erfahrungen ermöglichen, wie es bei uns der Fall war. Unsere Motivation für diesen Beruf bringt auch viele Visionen mit sich: Egal ob Panama, Polen, Namibia oder Deutschland. Kirche ist international und der Glaube so vielfältig. Und genau diese Vielfalt möchten wir mit in den Beruf nehmen. Die gelebte Gemeinschaft unter den Christen, die wir im Ausland so stark kennengelernt haben, wollen wir nach Deutschland zurückbringen. Denn dort, wo Glaube ist, ist auch Gemeinschaft. Am Ende ist es also die Mischung aus der Hoffnungsbotschaft und die Gemeinschaft unter uns allen, die uns diesen Beruf ausüben lassen wollen.

Neben dem Studium verbringt ihr auch innerhalb der WG viel Zeit miteinander. Wie lebt ihr euern Glauben in diesem Umfeld?

In unseren WGs unterhalten wir uns immer mal wieder über verschiedenste Themen. Darunter auch die Kirche und unser Glaube. Wir reden oft über Erfahrungen, die wir in der Heimat und in der Pastoral hier vor Ort machen. Was ganz oft im Mittelpunkt unserer Gespräche steht: Die Visionen und Wunschvorstellungen, die wir für die Kirche von heute und morgen haben. Außerhalb des Studiums und des Ehrenamts ist es uns aber auch wichtig, mal aus der „Glaubensblase“ herauszukommen. Dafür haben wir viele Freunde, die uns quasi auf den Boden der Tatsachen zurückbringen. Dafür sind wir besonders dankbar!

In welchem Bereich seid ihr denn ehrenamtlich tätig?

Neben dem Studium engagieren wir uns auch gerne auf diözesaner Ebene und in den Gemeinden vor Ort. Was wir hier genau machen? Vor allem viel Jugendarbeit und Mediendesign. Immer mal wieder drehen wir hier Musikvideos und Statements. Auch das Designen von Flyern, Plakaten und Bannern machen wir gerne. Dabei ist unser Grundanliegen meistens gleich: Den Glauben auf moderne und attraktive Weise weitergeben.

Was fällt euch spontan zum heutigen Leitwort „Bleibt in meiner Liebe!“ (Joh 15,9) ein?

Manchmal braucht es im Leben Durchhaltevermögen, Ausdauer und Ehrgeiz. Das merken wir in den letzten Monaten besonders in der Kirche. Bei Nachrichten, die von Missbräuchen und Diskriminierungen sprechen, fällt es uns oft schwer „in seiner Liebe zu bleiben“. Kirche ist für uns aber nicht gleich Glaube. Wenn in unserer Kirche Fehlentscheidungen und Probleme aufkommen, vertrauen wir trotzdem weiterhin auf unseren Glauben. All das, was wir machen, darf bewusst im Glauben passieren, wenn er uns wichtig ist. Wir sind mit dem Glauben aufgewachsen und wollen dieses Gefühl auch zu unseren Mitmenschen tragen.

(v.l.) Thomas Janocha, David Gorny und Christina Eilebrecht. Foto: David Gorny

Inwiefern könnt ihr euer Hobby Wandern mit dem Glauben verbinden?

Eines unserer großen Hobbys ist Wandern, das stimmt!  Für uns ist Wandern der Drang, in die Freiheit zu gehen. Mit im Rucksack: Meistens Kaffee, Kuchen und eine Kamera. Die Kirche packen wir bewusst nicht ein. Hier finden wir unseren Freiraum neben dem Studium, auch um auf andere Gedanken zu kommen. Man entdeckt sich so immer wieder neu. Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht mit dem Glauben beschäftigen. Besonders wenn man allein unterwegs ist, rückt die Schöpfung in den Mittelpunkt. Hier genießt man die frische Luft, die Aussicht und die Natur. Das Wandern schafft Erholung, unser Kopf wird frei.

Fragt ihr euch oft, ob ihr auf eurem Weg richtig seid und ob das wirklich der passende Weg ist? Habt ihr manchmal Zweifel auf eurem Weg und wenn ja warum?

Klar. Zweifel sind normal im Leben. Bei den aktuellen Entwicklungen im Erzbistum Köln und Rom denkt man mehrmals nach, warum und mit welcher Motivation man das Studium angeht. Da sind und müssen wir ehrlich zu uns sein. Wie bei allem anderen gibt es aber auch hier mehr als nur eine Blickrichtung. Neben der „Kirche in Rom“ erleben wir die Kirche hier vor Ort als wahre Motivationsquelle neben unserem Glauben. Hier sind es die einzelnen Menschen, die uns zeigen: Kirche geht auch anderes und du willst trotz der vielen „Bad-News“ Gemeindereferent werden. Besonders in der heute viel diskutierten Kirche bleiben wir deshalb bei der eigentlichen Botschaft der Bibel und engagieren uns für eine Kirche, die für alle da ist, unabhängig des Geschlechts, der Herkunft und der Sexualität. Auf diese Motivation besinnen wir uns immer wieder.

Text: Thomas Janocha, David Gorny und Christina Eilebrecht

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