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Geweihte Jungfrau

Irgendwann im Leben muss ich mich entscheiden – entscheiden wie, wo und mit wem ich leben, welchen Weg ich verbindlich gehen, welchem Ruf ich folgen möchte. Die Kirche kennt seit alters her verschiedene Be-Ruf-ungen – eine davon ist die Berufung zum ehelosen Leben, die die ungeteilte Hingabe des ganzen Lebens an Gott verdeutlicht.

Bereits im Urchristentum gab es Frauen, die Jesus in der „Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen“ (Mt 19,11f) folgten. Durch die Weihe (consecratio) wurden sie in den Stand der Jungfrauen aufgenommen und waren somit durch eine eheähnliche Bindung mit Christus verbunden. Die Jungfrauenweihe bildet somit eine der ältesten Berufungen in der Kirche, die – nachdem sie einige Jahrhunderte lang allein Frauen in klausurierten Orden vorbehalten war – in den letzten Jahren wieder neu auflebt. Weltweit gibt es Frauen, die die Jungfrauenweihe empfangen haben – in Deutschland beläuft sich ihre Zahl momentan auf etwa 150, im Erzbistum Paderborn auf knapp 20 Frauen.

„Die Jungfrauenweihe bedeutet für mich, dass ich jede Minute meines Lebens mit ihm gemeinsam gehe. Ich versuche die Liebe, die ich von Jesus jeden Tag erfahre, weiterzugeben und meine Augen offen zu halten für die Orte und Menschen, die Gott mir schickt und anvertraut. Gerade das Stundengebet und die Sakramente sind dafür meine Kraftquelle.

In den Jahren, die seit der Weihe vergangen sind, musste ich mich so manches Mal neu ausrichten, bin gesundheitlich durch tiefe Täler gegangen und geistlich durch manche Wüste. Aber letztlich durfte ich gerade in diesen Zeiten merken, dass ER da ist. Wenn meine Kraft am Ende war, habe ich nur noch aus seiner Kraft gelebt. Hingabe und Festhalten – mit diesen beiden Worten würde ich beschreiben, wie ich versuche, meine Berufung zu leben.“

-Sabine Jasperneite, Weihe 2012, Weihespruch: Du führst mich hinaus ins Weite (PS 18,20)

Angesichts des Volkes Gottes lege ich meinen Entschluss in deine Hände. Ich verspreche, Christus im Stand der Jungfräulichkeit mit Gottes Hilfe nachzufolgen.“

(aus der Weiheliturgie)

Weihe

„Gottgeweihte Jungfrauen – virgines consecratae – sind Frauen, welche in die Hand des Diözesanbischofs öffentlich und für immer ein Leben in evangelischer Jungfräulichkeit versprochen und von ihm die Jungfrauenweihe empfangen haben.“ (Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz für die Spendung der Jungfrauenweihe an Frauen, die in der Welt leben).

Aufgrund der Weihe gehört die virgo dem „ordo virginum“, dem Stand der Jungfrauen, an (c.604). „Die Jungfrauenweihe […] verleiht weder ein Amt noch bestellt sie zu einem bestimmten beruflichen Dienst in der Kirche. Sie betrifft nicht zuerst das Tun, sondern das Sein des Menschen in Zeugnis und ‚presence’ (L. Bouyer).“ (ebd.)

Als äußeres Zeichen trägt die virgo einen Ring, der ihr bei der Weihe durch den Bischof gemeinsam mit dem Stundenbuch überreicht worden ist: „Trage den Ring als Zeichen deiner Bindung an Christus. Bewahre dem Herrn unverbrüchlich die Treue. So wirst du zur ewigen Freude gelangen, zur Hochzeit des Lammes.“ (aus der Weiheliturgie)

„Für mich bedeutet das gottgeweihte Leben, dass Jesus Christus die Mitte meines Lebens ist. Wie in einem Labyrinth bin ich immer auf dem Weg zur Mitte. Mal weiter weg, mal näher dran. Entscheidend ist, auf dem Weg zu bleiben und die Mitte nicht zu verlieren bzw. immer wieder zurück zur Mitte zu finden.

Die Beziehung zu Jesus Christus ist die wichtigste in meinem Leben, so etwas wie der rote Faden (um ein anderes Bild zu gebrauchen), mit dem ich verbunden bin, der mich hält und mir den Weg zeigt.“

– Daniela Reineke, Weihe 2008, Weihespruch: Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. (1 Kor 3,11)

Lebensweise

In der Regel lebt eine Frau, die die Jungfrauenweihe empfangen hat, allein; sie übt ihren Beruf aus, ist selbst für ihren Lebensunterhalt sowie für eine angemessene Alters- und Krankheitsvorsorge verantwortlich. In der Wahl ihrer spirituellen Ausrichtung ist die „virgo“ frei, die Lebensform fordert jedoch ein intensives Gebetsleben mit Stundengebet, Anbetung, Schriftlesung, Exerzitien, dem häufigen Besuch der Eucharistiefeier und dem regelmäßigen Empfang des Bußsakraments sowie ein aktives Engagement in der jeweiligen Heimatgemeinde.

Empfange das Stundenbuch der Kirche. Das Lob Gottes und das Gebet für das Heil aller Menschen sei allezeit dein Dienst. Vergiss nie: Um der Kirche willen bist du von Christus in Dienst genommen.

(aus der Weiheliturgie).

© PIC SNIPE | AdobeStock
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„Vor meiner Berufung war ich immer auf der Suche, wusste aber nicht wonach. Als ich von der Jungfrauenweihe hörte, war mir sofort klar, das ist es. Jeden Tag aufs Neue beginne ich meinen Weg mit Ihm. Es ist nicht immer einfach, aber ich durfte erfahren, wenn es drauf ankommt, ist er da. Die Begegnungen in meinem Alltag sind mir wichtig, ich versuche ein offenes Ohr zu haben für meine Mitmenschen. Gelingt leider nicht immer. Das Stundengebet hat meinem Leben eine Struktur gegeben. Durch die tägliche Eucharistiefeier und das Bußsakrament erhalte ich den Halt und die Stärke, die ich für mein gottgeweihtes Leben brauche.“

– Barbara Westerhorstmann, Weihe 2014, Weihespruch: Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe. (PS 62.1)

Eine virgo hält regelmäßig Kontakt zu ihrem geistlichen Begleiter/ihrer geistlichen Begleiterin und – je nach Möglichkeit – zu anderen virgines consecratae. Im Erzbistum Paderborn treffen sich die virgines einmal im Jahr, zudem findet jährlich ein gemeinsames Treffen mit allen virgines in Deutschland statt.

Eine Frau, die um die Jungfrauenweihe bittet, muss unverheiratet und zwischen 30 und 50 Jahre alt sein; die Bewerberin sollte seit längerer Zeit (in der Regel fünf Jahre) den Lebensstil einer bewussten Bindung an Christus leben. Der Jungfrauenweihe geht eine offizielle Vorbereitungszeit, die Kandidatur, voraus; diese steht in der Verantwortung des jeweiligen Diözesanbischofs und wird mindestens ein Jahr lang durch einen vom Bischof bestellten Mentor begleitet. Der Bischof entscheidet über die Zulassung zur Weihe und ist selbst ordentlicher Spender der Jungfrauenweihe (vgl. Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz für die Spendung der Jungfrauenweihe an Frauen, die in der Welt leben).

© Sabrina Voss / Erzbistum Paderborn

Dr. Rosel Oehmen-Vieregge

Referentin für Ordensangelegenheiten
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Weihbischof Matthias König

Bischofsvikar für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens
Telefon: 05251 125 1385