„Nichts ist besser, als mit Gott im gleichen Team zu spielen."

Seelsorger, Lebensbegleiter, Zeuge Gottes  Priester

Du stehst den Menschen in allen Phasen ihres Lebens bei. Du bist geweiht, um die Sakramente zu feiern und die Frohe Botschaft zu verkünden. Die Kraft dazu schöpfst du aus der Heiligen Schrift und deiner persönlichen Spiritualität. Deine tiefe Christusverbundenheit drückt sich auch in der Lebensform der Ehelosigkeit aus.

Als Priester arbeitest du zumeist in einer oder mehreren Gemeinden eines Pastoralen Raumes. Gemeinsam mit anderen hauptberuflichen und ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern und weiteren ehrenamtlich engagierten Mitarbeitenden trägst du die Verantwortung für die Seelsorge in deinen Gemeinden des Pastoralen Raumes.

„Nichts ist besser, als mit Gott im gleichen Team zu spielen."  Interview mit dem Priester Lukas Hellekes

Lukas, wie nimmst du dich als Priester wahr, was sind deine Aufgaben?

Als Priester habe ich mit unterschiedlichsten Menschen zu tun und darf in vielfältigste Lebenswirklichkeiten eintauchen. Persönliches Hauptanliegen und Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Evangelisation, das heißt, Menschen in eine lebendige Liebe zu Jesus zu führen. Das kann in ganz unterschiedlichen Formen Gestalt annehmen, als Predigt, in der Katechese, in Einzelgesprächen, im Lobpreis, in Glaubenskursen und bei vielen anderen Gelegenheiten. Ich arbeite natürlich auch an meiner eigenen Evangelisation. In der Liturgie der Priesterweihe fragt der Bischof die Weihekandidaten: „Seid ihr bereit, euch Christus jeden Tag enger zu verbinden?“ Die Kandidaten antworten darauf: „Ich bin bereit!“ Es ist sehr spannend und geheimnisvoll, dieses Versprechen mehr und mehr leben zu lernen.

Was „liebst“ du an deiner Berufung?

Ich liebe es über alle Maße, Jesus alles zu schenken und dabei miterleben zu dürfen, wie er Menschen durch meinen Dienst frei und schön und stark werden lässt! Mitanzusehen, wie er die Menschen, die sich für ihn öffnen, verändert und groß macht – nichts ist besser, als mit Gott im gleichen Team zu spielen. Je mehr ich mit ihm zusammen erlebe, desto mehr fasziniert er mich und desto mehr ödet mich die Vorstellung an, ein Leben ohne ihn zu leben.

Ist dein Leben als Priester manchmal schwer? Oder unverbrämt: Wie stehst du als Priester zum Zölibat?

Ja, die Frage zur Sexualität eines Priesters rührt an einem Tabu und steht oft ungestellt und damit unbeantwortet im Raum. Meine Haltung dazu hat mit Freiheit und Freiwilligkeit zu tun. Als Mensch im 21. Jahrhundert in Deutschland hat man eine fast grenzenlose Freiheit. Diese Freiheit besteht nicht nur darin, bestimmte Dinge zu tun, sondern eben auch, bestimmte Dinge nicht zu tun. Es bedarf einer gehörigen Portion Erkenntnisvermögen und ehrlicher Selbstreflexion, aber auch Kritikfähigkeit und disziplinierter Willensstärke, mit dieser Freiheit gut umzugehen. Dies gilt in besonderer Weise für das geistliche und zölibatäre Leben. Was sind Dinge, die meinem priesterlichen Dienst und meinem priesterlichen Leben förderlich sind, was schadet hingegen? Es ist eine Herausforderung, hier auf einem guten Weg zu bleiben.

 

Davon abgesehen, gibt es im Leben eines Priesters noch ganz andere Herausforderungen als den Zölibat. Du darfst nicht nur in viele Lebenswirklichkeiten eintauchen, wie du anfangs gesagt hast, du musst es auch und wirst Zeuge von Krankheit, psychischer und physischer Gewalt, Armut, Tod. Wie gehst du damit um?

Es waren genau diese negativen Dinge, die mich dazu brachten, Priester zu werden. Ein Schlüsselmoment war für mich der zweite Tag meines Zivildienstes als Sanitäter beim Rettungsdienst. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Wir waren zu einem Notfall gerufen worden und mussten einen jungen Mann wiederbeleben, der beim Rasenmähen tot umgefallen war. Seine Frau und seine zwei kleinen Töchter standen dabei, als wir verzweifelt versuchten, ihn zu reanimieren. Schließlich gaben wir auf, woraufhin ich erst einmal etwas abseits gehen musste, um die Situation zu verarbeiten und sacken zu lassen. Ich ließ meinen Blick gedankenverloren über unsere Sauerländer Berge streifen, noch völlig überfordert vom gerade Geschehenen. Was dann geschah, fällt mir schwer in Worte zu fassen. Es war ein plötzlicher Moment ganz tiefer innerer Gewissheit, in dem mir auf einmal völlig klar wurde: Ich muss Priester werden!

Ablauf der Ausbildung

Die Ausbildung zum Priester im Erzbistum Paderborn gliedert sich in drei Teilbereiche und dauert acht Jahre. Hiervon entfällt ein Jahr auf das Propädeutikum, fünf Jahre entfallen auf das Theologiestudium und zwei Jahre auf den Pastoralkurs.

Propädeutikum (ein Jahr)

Das propädeutische Jahr bildet vor dem eigentlichen Theologiestudium den ersten Teilbereich deiner Priesterausbildung. Es beginnt Anfang September eines jeden Jahres. Während dieser ersten zwölf Monate wohnst und lebst du gemeinsam mit weiteren Priesteramtskandidaten im Erzbischöflichen Priesterseminar. Hier hast du Zeit, die Frage nach deiner Berufung zu klären und gemeinsam mit anderen Seminaristen deine Glaubens- und Gottesbeziehung zu vertiefen. Hinzu kommen praktische Elemente wie Stimmbildungskurse und ein Praktikum im sozialen Bereich (etwa in einer Kindertageseinrichtung oder bei der Bahnhofsmission). Dabei erstreckt sich das Praktikum über die gesamten zwölf Monate und findet regelmäßig an einem Tag in der Woche statt. Bei der Vermittlung von Praktikumsplätzen berücksichtigen wir gerne deine Interessen. Außerdem hast du in diesem Jahr die Gelegenheit, die für das anschließende Theologiestudium erforderlichen Sprachkenntnisse in Latein, biblischem Griechisch und Hebräisch zu erwerben. Dadurch kannst du dich im Grundstudium auf die philosophischen und theologischen Inhalte konzentrieren.

Studium (fünf Jahre)

An das Propädeutikum schließt sich eine fünfjährige Studienphase an. Deine wissenschaftliche Ausbildung findet im Rahmen des Studiums der Katholischen Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn statt. Der Studiengang besteht aus einer sechssemestrigen Grundlegungsphase in Theologie, Philosophie und Psychologie. Darauf folgen eine viersemestrige Vertiefungsphase sowie der Magister-Abschluss. Das Studium wird ergänzt durch vier- bis zehnwöchige Praktika in den Bereichen Jugend, Schule und Gemeinde, die während der Semesterferien stattfinden. Parallel dazu arbeitest du im Priesterseminar weiter an deiner menschlichen, geistlichen und pastoralen Befähigung zum priesterlichen Dienst. Du führst weiterhin mit deinen Priesteramtskollegen ein Gemeinschaftsleben im Priesterseminar. Die Kommunität verstehst du als einen Ort der menschlichen und spirituellen Bewährung für deinen späteren Dienst in der Gemeinde.

Im dritten Studienjahr geben wir dir die Gelegenheit, zwei Auswärtssemester an einer Universität deiner Wahl im In- oder Ausland zu studieren. Hierbei stehen die Erlangung neuer theologischer Einsichten, die Erweiterung deines persönlichen Umfeldes sowie die Klärung deiner persönlichen Berufung im Vordergrund.

Pastoralkurs (zwei Jahre)

Nach dem erfolgreichen Abschluss deines Magister-Studiums startet der zweijährige Pastoralkurs, der dich in den priesterlichen Dienst einführt. Der Pastoralkurs beginnt mit der Feier der Admissio. Im Rahmen dieses feierlichen Aktes bekundest du öffentlich deine Absicht, die Diakonen- und Priesterweihe zu empfangen. Den Schwerpunkt der Berufseinführung bildet ein Praktikum im Schul- und Gemeindebereich in einem Pastoralen Raum des Erzbistums Paderborn. Während dieser Zeit wohnst und lebst du bereits auf dem Gebiet des jeweiligen Pastoralen Raumes.

Zwischen den Praxisphasen finden Theorieblöcke im Priesterseminar statt, die dich mit verschiedenen Modulen, darunter Sakramentenspendung, Homiletik und Gesprächsführung, auf die Praxis vor Ort vorbereiten.

Deine Weihe zum Diakon findet im ersten Jahr der Berufseinführung statt. Der Weihetermin ist in der Regel am Vortag des vierten Ostersonntags in der Universitäts- und Marktkirche des Erzbistums Paderborn.

Im darauffolgenden Jahr, also mit Abschluss deiner insgesamt achtjährigen Priesterausbildung, wirst du zum Priester geweiht. Die Weihe findet am Vortag des Pfingstfestes im Hohen Dom zu Paderborn statt.

Nach der Weihe kannst du deinen Dienst als Vikar in einem Pastoralen Raum des Erzbistums Paderborn antreten. Nach etwa fünf Jahren im Dienst bist du dann berechtigt, den Titel Pastor zu führen.

Interessen und Voraussetzungen

Zur Aufnahme des Theologie-Studiums solltest du über die Allgemeine Hochschulreife (Abitur) verfügen. Du bringst diesen formalen Abschluss nicht mit, gegebenenfalls aber eine vergleichbare Qualifikation oder eine Ausbildung und Berufserfahrung? Dann nimm gerne Kontakt zu uns auf, sodass wir gemeinsam mit dir einen möglichen Einstieg in die Priesterausbildung besprechen können.

Neben der formalen Voraussetzung fühlst du dich mit dem katholischen Glauben der Kirche verbunden? Du bemühst dich, eine lebendige Beziehung zu Gott zu führen? Du hast Freude am persönlichen Gebet und am Gottesdienst in der Kirche? Du verspürst die Sehnsucht, als Priester arbeiten und leben zu wollen? Du bringst die Bereitschaft zur zölibatären Lebensform mit? Wenn du diese Fragen mit Ja beantworten kannst, kannst du im Beruf des Priesters deine Berufung finden.

Du zögerst noch, die eine oder andere Frage mit Ja zu beantworten? Wir bieten dir die Möglichkeit, die Priesterausbildung kennenzulernen. Dabei erhältst du während einiger Tage Einblick in das Leben und das Studium im Priesterseminar. Du lebst im Rhythmus von Gebet und Studium. Du lernst die Lebensform näher kennen, besuchst als Gasthörer Vorlesungen und entdeckst dadurch möglicherweise deine eigene Berufung. Interessiert? Dann nimm gerne Kontakt zu uns auf.

Kontakt

Adresse: Leostraße 21 | 33098 Paderborn
berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de
05251 206-5400
#gotteswerker
berufungspastoral.paderborn