Interview zum monatlichen Gebetstag um geistliche Berufungen

1. Juli 2021
Die Intention des heutigen Gebetstags um geistliche Berufungen lautet: Säkularinstitut. Dieses Thema haben wir als Anlass genommen, um mit Christa Branse und Mathilde Dicke vom Institut St. Bonifatius zu sprechen.

In dem Interview berichten Christa Branse und Mathilde Dicke, die in der Gemeinschaft auf dem Kupferberg leben und arbeiten, von ihrem Alltag im Säkularinstitut.

Sie leben in der Gemeinschaft eines Säkularinstitutes. Möchten Sie sich zum Einstieg vorstellen und etwas zu dem Punkt „die Hingabe an Gott mitten in der Welt und im Dienst an den Menschen zu leben“ sagen? Wie erleben Sie das in Ihrem Alltag?

Zuerst einmal möchten wir uns Ihnen vorstellen. Ich, Christa Branse (53 Jahre) arbeite als Sozialarbeiterin in der Jugendbildungsstätte und ich, Mathilde Dicke (64 Jahre) als Verwalterin im Zentrum der Gemeinschaft auf dem Kupferberg. Wir leben im Institut St. Bonifatius – einem missionsbenediktinischen Säkularinstitut. Was ist das denn? kann man sich jetzt fragen. Nun, wir als Mitglieder eines Säkularinstituts leben mitten unter den Menschen, unauffällig, ohne äußeres Zeichen, ohne Klausur, unter denselben Lebens- und Arbeitsbedingungen wie die Menschen um uns herum, aber in enger Bindung an Christus, dem wir „gar nichts vorziehen“, wie die Regel des heiligen Benedikt sagt. Dieses Leben in Gemeinschaft ist immer wieder von neuen Herausforderungen geprägt. Unser Alltag ist nicht immer gleich, es gibt so viele Überraschungen im Laufe des Tages. Das fordert uns heraus, neben allen Tätigkeiten und Anliegen, diesen „Freiraum für Gott“ auch wirklich freihalten zu können. In unserm Alltag prägt sich das je nach Tätigkeitsfeld unterschiedlich aus, aber mit den gleichen Prioritäten, die wir setzen. Wir haben z.B. keine Verpflichtung zum Stundengebet, aber jede versucht, nach Möglichkeit dabei zu sein. Da kann ich dann in der Zeit z.B. nicht unbedingt meine Lieblingssendung schauen. Wir reservieren auch gemeinsame Zeiten für unser gemeinschaftliches Leben, die ich dann eben nicht mit anderen Dingen fülle. Wir geben einander Anteil an den jeweiligen Freuden und Sorgen in den Gruppen, besonders auch an den Nöten in unseren Einsatzgebieten in Afrika und Guatemala.

Können Sie sagen, dass die Säkularität heutzutage als eine Arena betreten werden kann?

Nun ja, heutzutage die Säkularität als eine Arena zu sehen, die betreten werden kann, ist für mich ein wenig fremd. Ich bin etwas über das Wort Arena gestolpert. Wenn ich an Arena denke, dann fällt mir die Sportarena ein. Ich mag es, mich sportlich zu betätigen, und das Pensum eines gefüllten Tages ist auch manchmal recht sportlich. Je mehr ich das Wort auf mich wirken lasse, kommt mir der Gedanke, ob wir uns nicht in einer Arena befinden, in der sich menschliches Leben abspielt mit all seinen Facetten. Wir betreten sie nicht, sondern wir gehören dazu, wir sind mitten drin. Da, wo traditionelle kirchliche Strukturen nicht mehr greifen, hat das schlichte, unauffällige „Dazwischen Sein“ der Säkularinstitute Möglichkeiten, dem Suchen der Menschen ehrlich zu begegnen. Dabei war für den heiligen Bonifatius, der Patron unserer Gemeinschaft ist, immer wieder eine Rückbindung an die Kirche wichtig.

Was bedeutet für Sie „das geweihte Leben mitten in der Welt“?

Geweihtes Leben mitten in der Welt ist für mich nichts, was besonders hervorragt. Es ist, dass ich mein Leben unter ein besonderes Vorzeichen gestellt habe. Ähnlich wie in der Musik verläuft die Lebensmelodie unter dem kleinen Vorzeichen des Kreuzes, welches die Tonart erhöht und neu erklingen lässt. Anders ausgedrückt: In erster Linie bin ich ein Mensch so wie Du und Sie alle. Ich bin Mensch mit all meinen Wünschen, Träumen und Sehnsüchten. Dann lebe ich als Christ mitten in der Welt. Und dieses Christsein lebe ich in Gemeinschaft mit meinen Mitschwestern. Wenn es Christus nicht gäbe, der für uns gestorben und auferstanden ist, wäre mein Leben sinnlos. Wir leben unseren Glauben in Gemeinschaft und jede von uns hat die Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Ehelosigkeit abgelegt.

Armut heißt für uns: Wir verpflichten uns zu einem bewusst einfachen Lebensstil, der ebenso nachhaltig wie umweltschonend sein soll. Das bezieht sich auf das einzelne Mitglied, aber auch auf das Institut in seiner Gesamtheit. Wir bauen solide, aber nicht luxuriös. Wir fahren keine Schrottautos, aber auch keine Limousinen. Auch bei Kleidung und sonstigen Einkäufen achten wir auf Einfachheit und Nachhaltigkeit. Gehorsam bedeutet für uns, unsere Fähigkeiten, Charismen und Kräfte dem Dienst an den Menschen zur Verfügung zu stellen. Im Normalfall suchen wir unsere Aufgabe nicht allein, sondern im Dialog mit den Verantwortlichen und mit Rücksicht auf die Aufgaben der Gemeinschaft lassen wir uns in das Ganze einbinden. Ehelosigkeit bedeutet nicht Beziehungslosigkeit. Im Gegenteil: Aus der intensiven Beziehung zu Christus wächst die Zuwendung zu den Menschen. Ohne diesen inneren Bezug ist die Ehelosigkeit weder zu verstehen noch zu leben.

Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen traditionellen Orden und den Säkularinstituten?

Auf die Frage: „Warum so viele verschiedene Gemeinschaften? Warum schon wieder eine neue Gemeinschaft?“ antwortete Pater Cyprian, unser Gründer: „Warum die Vielfalt in Natur und Kunst? Warum nicht nur eine Art von Vögeln und Fischen? Warum nicht nur ein Stil in der Kunst? Weil es sich hier um Leben handelt. …“. Leben entwickelt und verändert sich und der Geist Gottes lässt sich nicht in traditionelle Formen einsperren. Die uralte Spiritualität der Benediktusregel gilt es zu bewahren und in unsere heutige Lebenswelt zu übersetzen. Dies ist nicht nur für uns, sondern für alle Gemeinschaften eine bleibende Aufgabe. In unserm Säkularinstitut verbinden wir beides miteinander, wir leben aus den alten Wurzeln der Regel des heiligen Benedikt und sind geprägt vom Zweiten Vatikanischen Konzil. Aus diesen jahrhundertalten Wurzeln leben wir unsere heutige Spiritualität. Bei uns gibt es keine Klostermauern, wir leben auch nicht in Abgeschiedenheit weit ab vom Leben, sondern tauchen ein in das normale Alltagsleben um uns herum. Von daher gilt es das geistlich Traditionelle zu pflegen und gleichzeitig Ausschau zu halten nach dem Neuen, was sich auftun wird.

Wie gestaltet sich Ihr Alltag?

Wie sich der Alltag gestaltet, lässt sich nicht so ohne weiteres in ein paar Sätzen zusammenfassen, da er so lebendig und vielfältig ist. Spontan würde ich sagen: Komm und sieh und lebe ein paar Tage mit, dann wirst du einen kleinen Einblick in unseren ganz normalen Alltag bekommen. Es gibt ein paar Aspekte, die hier dargestellt werden können: Da ist der berufliche Alltag, der für mich (Christa) durch die Kursarbeit und die Begegnungen in der Jugendbildungsstätte geprägt ist, für mich (Mathilde) durch alles, was in der Verwaltung anfällt, über Baubesprechungen, Rechnungs- und Zahlungswesen, Mitarbeitergesprächen bis zu den Belangen der Mitglieder. Dann gibt es den gemeinschaftlichen Alltag, die unterschiedlichen Dienste und Aufgaben innerhalb unseres Zusammenlebens. Die gemeinsamen Gebetszeiten, die anfallenden hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, das Feiern von Festen und so weiter. Und dann dürfen in einer Gemeinschaft die Gäste nicht fehlen, von denen der heilige Benedikt in seiner Regel, den Weisungen für das gemeinschaftliche Leben, schon schreibt. Dann ist es wichtig, den Tag in Stille zu beginnen und ihn am Abend mit der Komplet, dem Stundengebet der Kirche komplett zu machen. Zu den vom Stundengebet der Kirche bewusst gesetzten Zeiten des Alltags lassen wir unsere Arbeit gerne unterbrechen und bringen alles in die Gegenwart Gottes mit ein.

Was können Sie abschließend zur Jugendbildungsstätte auf dem Kupferberg sagen?

Die Jugendbildungsstätte hat gerade ihre Pforten geschlossen, wie sicher einige, die in der Jugendarbeit tätig sind, mitbekommen haben. Wir blicken dankbar auf die gemeinsame Zeit von 57 Jahren in der Jugendarbeit zurück und schauen aus nach neuen Aufgaben, in denen wir unser Christsein mit Freude und Dankbarkeit leben können. Es gäbe unendlich viel an schönen Begegnungen und Erfahrungen zu erzählen, was den Rahmen ein wenig sprengen würde. Es war eine schöne und wichtige Zeit. Besonders gefallen hat es mir, junge Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und ein Stück mitgehen zu können. Nun ist es an der Zeit, den Blick nach vorne zu richten und auf das zu schauen, was neu wachsen will. Wer mehr wissen möchte:

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