03.09.2026
monatliche Gebetstage um geistliche Berufungen

Ein Impuls zu Erzbischof Mourad

Der heutige monatliche Gebetstag um geistliche Berufungen trägt die Intention „Für den Papst und die Bischöfe weltweit“.

Diesen Tag haben wir zum Anlass genommen, um über das Libori-Fest nachzudenken, an dem man in Paderborn Weltkirche hautnah erfahren kann, wenn man Bischöfen, Missionaren und Missionarinnen sowie Ordenschristen aus aller Herren Länder begegnet. Einer von ihnen war in der diesjährigen Libori-Woche Erzbischof Jaques Mourad aus Syrien.

Vor den Libori-Festlichkeiten lädt das Metropolitankapitel immer zum „Abend der Weltkirche“ im Konrad-Martin-Garten ein, an dem die Bischöfe aus aller Welt das erste Mal herzlich begrüßt und willkommen geheißen werden. Nach der Hervorhebung und besonderen Vorstellung eines Landes mit Interview des jeweiligen Bischofs ist bei gutem Essen und Trinken Gelegenheit für Begegnung und Austausch – und dabei hört man viele verschiedene Sprachen.

In diesem Jahr stand das gebeutelte Land Syrien im Fokus, das in einem kleinen Video mit seiner reichen Kultur und Geschichte, aber auch mit seinen Herausforderungen und schmerzlichen Erinnerungen an Staatsterror und Bürgerkrieg vorgestellt wurde.

Aus Syrien zu Gast war Erzbischof Jacques Mourad aus der Erzdiözese Homs, begleitet von den beiden Ordensschwestern Schwester Annie und Schwester Helen. Zu Beginn des Interviews mit Weihbischof Matthias König freute sich Erzbischof Mourad sehr über die Vielfalt der Menschen an diesem Abend: „Ich fühle mich bei Ihnen wie im Himmel, weil sich Menschen aus vielen Völkern hier friedlich zusammenfinden.“

Wir stellen Euch Erzbischof Mourad und was ihn geprägt hat kurz vor:

1968 in Aleppo geboren, ist der syrisch-katholische Geistliche seit 2023 Erzbischof von Homs. Seine Priesterausbildung begann er im Kloster Charfet, wo sich das Syrisch-katholische Patriarchat von Antiochia befindet. Dort gibt es auch eine der wichtigsten Bibliotheken im Nahen Osten mit einer Sammlung von ca. 2200 syrischen und arabisch-christlichen Manuskripten. Seine Studien im Libanon fortsetzend, erzielte Jaques Mourad dort Abschlüsse in Philosophie und Theologie sowie das Lizenziat in Liturgiewissenschaft. 1991 empfing er die Diakon- und 1993 die Priesterweihe. Nach dem er das syrische Kloster Mar Musa neu mitbegründet hatte, legte er dort auch 1993 seine Ordensgelübde ab. Seit 2000 war er Vorsteher des Klosters Mar Elian und Gemeindepfarrer in al-Qaryatain. 2015 wurde dieses Kloster zerstört, er selbst zusammen mit einem Postulanten von IS-Terroristen entführt und 800 Kilometer durch die Wüste nach Rakka verschleppt. Gefesselt und mit verbundenen Augen im Auto der Entführer hat er sich im Marienmonat Mai der Mutter Gottes im Gebet anvertraut.

 

Herausforderungen und Stärkungen auf dem Weg

Heute betrachtet er seine fünfmonatige Gefangenschaft als „Geschenk Gottes“, wie er am „Abend der Weltkirche“ bekannte. Anfangs wurde er mit dem Tod bedroht, wenn er nicht zum Islam konvertieren würde. Dies hat ihm einige Tage schwer zu schaffen gemacht, aber dann hat er sich im Gebet mit allen verbunden, die ihm lieb sind und für die er Verantwortung trug. Daraufhin verspürte er einen tiefen Frieden im Herzen, wie nie zuvor. Ebenso hat er die starken Gebete seiner Mitmenschen gespürt, für die er zutiefst dankbar war. Es war eine Zeit „tiefer geistlicher Erfahrung“.

Nach der Freilassung kehrte er in seine Stadt zurück, die jedoch heftig bombardiert wurde. In dieser Gefahr konnten er sowie 250 weitere Christinnen und Christen – Kinder, Familien und alte Menschen – mit Hilfe von muslimischen Mitbürgern in den Irak fliehen. Im Nachbarland kam er für drei Jahre in einem Kloster seiner Ordensgemeinschaft unter. Dort „hielten sich viele christliche Familien auf, die wie ich entführt worden waren und tiefe seelische Wunden erlitten hatten. So konnte ich dort helfen.“, berichtete er den interessierten Zuhörern über sein seelsorgliches Wirken.

 

Berufung leben in schwierigen Zeiten

2020 in sein Kloster in Syrien zurückgekehrt, versuchte er die Menschen, die in all den Jahren viel gelitten haben, menschlich und geistlich gut zu begleiten, damit der Schmerz heilen kann. 2023 wurde Jaques Mourad dann zum Erzbischof von Homs geweiht. Nach dem Sturz des Assad-Regimes haben sich alle Syrer, ganz gleich welcher Religion, sehr gefreut und an eine gute Zukunft ihres Landes geglaubt. Heute sei die Situation unter dem islamistischen Präsidenten weiterhin schwierig und wenig hoffnungsvoll: „Die Regierung hat noch nie von Demokratie gesprochen. Aber die Menschen in Syrien wollen die Demokratie.“, erzählte Erzbischof Mourad.

Von den ehemals ca. zwei Millionen Christen (2010) seien viele immigriert, sodass nur noch um die 500.000 Christen im Land ausharren. Die Lebensbedingungen seien weiterhin hart und die medizinische Versorgung sehr schlecht. In den Schulen findet eine zunehmende Islamisierung statt. Es gibt keine gute Bildung und Ausbildung sowie kaum Arbeitsmöglichkeiten. „Syrien ist kein sicheres Land!“, machte der Erzbischof deutlich und sieht eine Rückkehr von Geflüchteten nach Syrien kritisch. Er hoffe aber, dass andere Länder und die Weltkirche „helfen, für gute Bildung und Berufe zu sorgen, Krankenhäuser aufzubauen und im Ausland qualifizierte syrische Ärzte wieder zurück in ihre Heimat zu schicken – irgendwann zumindest.“

 

Lieber Herr Erzbischof Mourad, wir danken Ihnen für Ihren authentischen Bericht und Ihr berührendes Glaubenszeugnis und wünschen Ihnen alles Gute und Gottes Segen!

 

Geschrieben von Sr. Dr. M. Alexandra Völzke

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