Stell dich zu Beginn gerne vor:
Wer bin ich? Joachim Veenhof, 59 Jahre, Familienvater, Sozialarbeiter, Betriebswirt, Christ, SKM Geschäftsführer. Ich bin aber auch Sprecher des Runden Tisch Armut, im Diözesanvorstand SKM/SkF, im Beirat der JVA Hövelhof und in vielen weiteren Gremien, die für Menschen in Not da sind.
Ich bin ist seit 2010 beim SKM Paderborn tätig und habe 2016 die Geschäftsführung des Vereins übernommen. Der SKM Paderborn ist ein Fachverband der Caritas, der sich vorrangig um erwachsene Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten wie Wohnungslosigkeit, Einsamkeit, Strafentlassung, Verwahrlosung oder Überforderung im Alltag kümmert. Der SKM ist eines der letzten Hilfenetzwerke für die Menschen, die in unserer Gesellschaft gescheitert und ganz unten angekommen sind.
Was hat dich dazu bewegt, beim SKM anzufangen?
2006 habe ich im Rahmen eines Caritas NRW Projektes „Gut kombiniert“ für den Diözesancaritasverband Paderborn gearbeitet. Mit dem Thema, benachteiligten Menschen über Arbeit und Beschäftigung eine Möglichkeit der sozialen Teilhabe zu ermöglichen, habe ich den SKM Paderborn kennengelernt. Und einer der ersten gemeinsamen Aktionen war, dass ich mit meinem Vorgänger Johannes Bracke und Langzeitarbeitslosen aus Paderborn nach Rumänien gefahren bin, um dort auf einer Farm eine Halle aufzubauen, wo erwachsene, ehemalige Heimkinder einen Platz zum Leben und Arbeiten bekommen sollten. Was mich angesprochen hat, war die Erfahrung, nicht nur über Verantwortung zu reden, sondern seiner Verantwortung mit Taten gerecht zu werden.
Und der SKM arbeitet genau so, und zwar: mit den Menschen die Herausforderungen des Lebens angehen und Lösungen erarbeiten.
Was war das Besondere an deinem Weg?
Ich komme aus einer Handwerksfamilie. Von klein an habe ich gelernt: Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Ein Auftrag, ein Plan ist wertvoll. Der Anfang ist wichtig. Als Jugendlicher habe ich bei den Pfadfindern erfahren, was es heißt, als Christ Verantwortung zu übernehmen. Als Sozialarbeiter brauche ich aber auch Mittel, um Menschen in Not zu helfen. Es braucht Strukturen, aber auch ein Verständnis und Rahmenbedingungen.
Ich bin als einfacher Sozialarbeiter gestartet. Schon relativ zeitig habe ich die Grenzen unserer Ressourcen und Möglichkeiten erfahren. Somit war mir klar, dass, um gute soziale Arbeit leisten zu können, ich auch Verantwortung bei der Gestaltung der Strukturen und Mittel übernehmen muss. Und indem ich mich hier stark gemacht habe, bin ich in meine jetzige Aufgabe hineingewachsen. Und meine besondere Aufgabe scheint genau dies zu sein, die Sorgen der Menschen mit den Möglichkeiten der Hilfen zusammenzubringen.
Ich habe letztes Wochenende den Satz gehört: „Wahre Liebe zeigt sich nicht in Worten, sondern in Taten.“
Sind dir auf deinem Weg Herausforderungen begegnet?
Als Sozialarbeiter versuche ich immer, den gesamten Menschen zu sehen. Die Not zu erkennen und in der Not zu helfen ist das Eine. Aber den Menschen zu befähigen, aus der Not heraus ein eigenverantwortliches Leben zu führen, dass ist das Andere.
Gerade in den letzten Jahren macht sich gesellschaftlicher Wandel und Kostendruck in der Sozialen Arbeit massiv bemerkbar. Immer mehr Menschen scheitern, fühlen sich alleingelassen, landen in der Wohnungslosigkeit.
Dieses „immer mehr“ bereitet mir besondere Sorgen. Die Wohnungslosenhilfe kann dies alles nicht alleine auffangen. Meine Sorge ist, dass wir aufgrund von fehlenden Mitteln dann immer mehr nur in der Not versorgen und gut dokumentieren statt auch gute Wege aus der Not heraus ermöglichen und begleiten.
An welchen Orten und wie tankst du neue Kraft?
Für mich ist es ganz wichtig, meine Kraftorte zu haben. Dies sind meine Familie und mein Zuhause. Dazu gehört besonders der Garten mit den Bienen. Aber auch Natur erleben, ob beim Wandern mit Freunden oder bei meinen jährlichen Exerzitien.
Und natürlich alle meine Klienten geben mir etwas zurück. Manchmal nur stille Aufmerksamkeit und Wertschätzung, manchmal aber auch direkte Worte der Wertschätzung.
Was bedeutet Berufung für dich persönlich?
Ich habe in meinem Beruf das gefunden, was mich erfüllt. Wenn ich die letzten Jahre sehe, dann denke ich, dass ich meine Talente gut einbringen konnte. Ich kann sogar meiner christlichen Verantwortung gerecht werden und bekomme dies zudem noch bezahlt.
Was möchtest du Personen mitgeben, die den Wunsch verspüren, ihre Berufung intensiver zu leben?
Wer nur für Geld beim SKM arbeiten will, wird schnell merken, dass es nicht reicht (Wir zahlen nach AVR, ein gute Vergütung!). Es braucht trotzdem mehr: eine innere Verantwortung, einen eigenen Auftrag, das Wissen, dass ich als Sozialarbeiter mit Menschen arbeite, etwas geben muss, aber auch einiges zurückbekomme, das Wissen, dass ich in meiner eigenen ggf. auch christlichen Verantwortung für Menschen in der Not da sein darf.
Wir danken dir für das Gespräch und wünschen dir alles Gute und Gottes Segen.