Cornelia Dockter wurde 1984 in Bonn geboren und studierte Katholische Religionslehre, Spanisch und Erziehungswissenschaften an der Universität Köln. Von 2012 bis 2018 absolvierte sie ihr Promotions-studium der Katholischen Theologie an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Pader-born und an der Theologischen Fakultät Paderborn. Nach ihrer Promotion und ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Paderborn und Bonn ist sie seit Oktober 2024 Junior-Professorin für Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn.
Liebe Frau Jun.-Professorin Dockter, was hat Sie dazu bewegt, Theologin und Hochschullehrerin zu werden?
Der christliche Glaube war immer Teil meines Lebens. Irgendwann habe ich für mich verstanden, dass es mir nicht ausreicht, zu glauben, ohne diesen Glauben tiefer zu hinterfragen. Ich wollte besser verstehen, was das eigentlich ist, was mich und mein Leben so sehr prägt. Dieses Hinterfragen hört nie auf und hat mich immer weiter in der Theologie gehalten. Letztendlich geht es in der Lehre eben auch darum, keine fertigen Antworten zu präsentieren, sondern das eigene theologische Denken gemeinsam immer wieder neu zu hinterfragen.
Was war das Prägende an Ihrem Weg?
Irritation. Es gibt kaum etwas, was einen so stark weiterbringt, wie wenn man irritiert wird. Und Irritationen habe ich viel erfahren – im positiven Sinn. Das Theologiestudium in Köln hat meinen persönlichen Glauben irritiert und weitergebracht, meine Zeit an den Universitäten in Paderborn und Bonn hat meinen christlichen Glauben irritiert, weil ich mich produktiv mit anderen Religionen auseinandergesetzt habe. Und jetzt zurück in Paderborn werde ich – konkret mein katholischer Glaube – durch die Auseinandersetzung und Begegnung mit anderen christlichen Konfessionen und Perspektiven wiederum positiv irritiert.
Sind Ihnen auf Ihrem Weg auch Herausforderungen begegnet?
Eine Antwort auf diese Frage ergibt sich fast schon aus der Antwort auf die vorherige Frage. Irritationen sind nicht angenehm und natürlich herausfordernd, weil die eigenen – im wahrsten Sinne des Wortes – Glaubenssätze infrage gestellt werden und man das, woran man glaubt, verteidigen muss. Das kann auch dazu führen, dass man Positionen verändern oder aufgeben muss. Aber diese Offenheit zur Irritation ist meines Erachtens grundlegend für das theologische Denken bzw. für Denken überhaupt. Insofern sollte ich vielleicht sagen, dass irritationsfreie Menschen die größte Herausforderung sind.
Was ist das Schönste in Ihrer Hochschularbeit und in der Ökumene?
Das Schönste ist, dass ich meine Irritationen nicht alleine ausfechten muss. Denn die Arbeit an der Hochschule und im Bereich der Ökumene bringt ja nicht nur immer neue Irritationen. Durch die Diskussionen mit Studierenden und Kolleginnen und Kollegen hat man einen Raum, in dem all die unterschiedlichen Perspektiven und Fragen so lange ausgehandelt werden, bis man hoffentlich für sich zu Antworten kommt. Vorläufig zumindest. Bis neue Irritationen entstehen.
An welchen Orten und wie tanken Sie neue Kraft?
Das kommt ganz drauf an, wofür ich Kraft benötige. In 90% der Fälle aber bei meiner Familie und in meinen Freundschaften. Für die restlichen 10% brauche ich eigentlich nur Musik, Bücher oder einen Internet-Zugang.
Was bedeutet Berufung für Sie persönlich?
Ich würde sagen, dass Berufung etwas Dynamisches ist. Das Leben ist zu unberechenbar als dass ich denke, dass jeder Mensch nur zu einer bestimmten Sache berufen ist. Berufen zu sein würde ich übersetzen damit, dass man erfüllt ist von dem, was man macht. Aber was das ist, das kann sich ändern.
Was möchten Sie Personen mitgeben, die den Wunsch verspüren, ihre Berufung intensiver zu leben?
Sich selbstkritisch die Frage stellen: warum tue ich es nicht?