02.04.2026
monatliche Gebetstage um geistliche Berufungen

Im Gespräch mit Diakon Helmut Haybach

Der heutige monatliche Gebetstag um geistliche Berufungen trägt die Intention „Für alle Diakone“. Diesen Tag haben wir zum Anlass genommen, um mit Diakon Helmut Haybach aus Lemgo zu sprechen.

Herr Diakon Haybach, stellen Sie sich zu Beginn gerne vor:

Mein Name ist Helmut Haybach, ich bin verheiratet und 67 Jahre alt. Meine beiden Kinder haben inzwischen ihr Studium abgeschlossen und sind berufstätig. Vom Beruf her bin ich Holzingenieur und arbeite auch als Rentner noch in Teilzeitform in der Beratung von Tischlerbetrieben.

 

Was hat Sie dazu bewegt, Diakon zu werden?

Religiös haben mich vor allem meine Erfahrungen als Jugendlicher in der KSJ geprägt. Ich hatte zwar damals keinen Gemeindebezug mehr, aber die Kontakte in Taizé und zu einigen Jesuiten sowie zu den Kleinen Brüdern ermöglichten mir einen religiösen Austausch.
Später hat mir dieser Austausch auf Gemeindeebene hier in Lemgo gefehlt. Es hat mir nicht gereicht, Gottesdienste zu feiern, sondern ich wollte sie auch theologisch besser verstehen. Über das Fernstudium in Würzburg konnte ich viele theologische Grundkenntnisse erwerben, die mir geholfen haben, Zusammenhänge besser zu verstehen und auch mit meinem Verstand glauben zu können.
Nach Abschluss dieses Lehrgangs blieb es zunächst offen, was ich damit konkret anfangen könnte. Aus einigen persönlichen Gesprächen mit Pfarrer Dr. Markus Jakobs entwickelte sich meine Entscheidung zum Diakonat. Die Ausbildung dazu begann ich im Herbst 2009 und ich wurde dann im März 2012 von Erzbischof Becker zum Diakon geweiht.

 

Was war das Besondere und Prägende an Ihrem Weg?

Es ist nicht einfach, seine eigenen Aufgaben und Schwerpunkte als Diakon zu finden, wenn es darüber keine strukturierte Abstimmung mit den pastoralen Verantwortlichen gibt. Dies hat meine ersten Jahre als Diakon stark geprägt und ich musste mir meine Schwerpunkte definieren, ohne dass darunter Familie und Beruf leiden. Das hat auch zu einer gewissen Eigenständigkeit und Unabhängigkeit für mich geführt. Der Diakon gehört zwar zum Altardienst, hat aber seine Bestimmung eher am Rande der Gemeinde, bei den „Armen“, wie es die Bibel von uns fordert. Ich habe für mich dann den Schwerpunkt in den Besuchen und Gottesdiensten in zwei Altenheimen hier in Lemgo gefunden. Diese Aufgabe konnte ich am besten mit meinen beruflichen Aufgaben und familiären Terminen vereinbaren.

 

Sind Ihnen auf Ihrem Weg auch Herausforderungen begegnet?

Die wesentliche Herausforderung hat sich für mich daraus ergeben, dass ich zwar Hauptamtlicher Diakon bin, aber im Nebenberuf. Ich bin dadurch einerseits „Laie“, aber gleichzeitig auch nur eingeschränkt miteingebunden in das Team der Hauptamtlichen. Die Zusammenarbeit mit meinem Ortspfarrer in den Anfangsjahren war mehr als mühsam, er konnte mit mir einfach nichts anfangen. Unter seinem Nachfolger konnte die Abstimmung verbessert werden, aber es bleibt bis heute eine Herausforderung, sich mit den laufenden Aufgaben des hauptamtlichen Teams als Diakon im Nebenberuf zu vernetzen und zu verständigen.

 Die zweite bleibende Herausforderung ist, wie man seine beruflichen und familiären Verpflichtungen sowie die gewählten Aufgaben als Diakon gut koordiniert, ohne dass darunter die Familie leidet. Ohne eine stabile Basis in der Partnerschaft kann das Diakonat meiner Einschätzung nicht gelingen.

 Daneben ist es für mich jedes Mal eine Herausforderung, wenn ich als Diakon in „meine“ Pflegeheime gehe und die Menschen dort besuche und mit ihnen Gottesdienst feiere. Diese Konfrontation mit Krankheit und Demenz fordert mich auch heraus, wie ich die „frohe Botschaft“ verkünden kann. Ich versuche immer wieder, mehr zuzuhören als selbst meine religiöse „Sicherheiten“ anzubieten, um zu entdecken, wo Christus ist, hier und heute.

  

Was fasziniert Sie an Ihrer Aufgabe?

Mich fasziniert an meiner Aufgabe, dass ich als Diakon mich regelmäßig religiös mit Menschen und Themen auseinandersetzen muss – sei es bei Beerdigungen, Taufen oder für Predigten im Gottesdienst. Das bringt mich auch persönlich weiter und Gott näher. Am ausgeprägtesten ist das beim jährlichen Karfreitagsgottesdienst, den ich seit einigen Jahren gestalten darf. Das ist für mich theologisch eine ganz besondere Herausforderung.

 

An welchen Orten und wie tanken Sie neue Kraft und Zuversicht?

Laudes und Vespergebet haben sich bei mir ganz gut eingespielt, das gibt meinem Tag Struktur und hilft mir, mich immer wieder auf Gott auszurichten. Ich bin froh, dass ich alle paar Monate Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch mit meinem geistlichen Begleiter habe. Das ist wichtig, um Dinge auszusprechen und loslassen zu können. Darüber hinaus tut es mir immer gut, wenigstens einmal pro Jahr einige Tage in Exerzitien zu gehen, manchmal allein oder mit anderen, vor allem aber, um Abstand, Ruhe zu finden, sich nicht vom Alltag überrollen zu lassen.

 Wenn es einem gelingt, sich auf die Menschen in der konkreten Situation des Besuchs im Pflegeheim, der Taufe oder der Beerdigung einzulassen, erfahre ich daraus viel Anerkennung und eine Bestätigung, dass es gut war, was ich getan habe.

 

Was bedeutet Berufung für Sie persönlich?

Berufung ist der Kern der christlichen Taufe, den Ruf Gottes im eigenen Leben immer wieder zu suchen und sich auf ihn auszurichten. Und jeder Mensch hat dabei seine ganz eigene Berufung zu entdecken. Das Diakonat hilft mir, das nicht zu vergessen und immer wieder nach Gott zu fragen, in der Hoffnung, am Ende bei ihm ankommen zu können. Wenn es mir gelingt, bei den Menschen, diese Hoffnung zu wecken und zu erhalten, dann, denke ich, bin ich auch der besonderen Berufung als Diakon gerecht geworden. 

 

Was möchten Sie Personen mitgeben, die den Wunsch verspüren, ihre Berufung intensiver zu leben?

Bei meiner Diakonenweihe wurde ich von einem Freund gefragt, ob ich nicht damit meiner Ehefrau „untreu“ werde – schließlich geht es um Gehorsam zur Mutter Kirche. Meine Ehefrau ist nicht Beiwerk meines Diakonats, sie hat schließlich ihre eigene Berufung, aber sie ist mein wichtigster Partner, der nicht unter meiner Berufung zum Diakon leiden sollte. Das sollte jeder, der Diakon werden möchte, gut mit seinem Lebenspartner absprechen.

 

 

Herr Diakon Haybach, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute und Gottes Segen!

 

 

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