„Dieser Suchprozess war unglaublich!"

Interview mit der Ordensschwester Alexa von den Franziskanerinnen Salzkotten

Ordenschristen sind Menschen, die ihre Gottsuche und Christusnachfolge mit Gleichgesinnten verwirklichen möchten. Dabei ist das Gemeinschaftsleben von einem Rhythmus geprägt, in dem sich Gebet, Arbeit und Ruhe abwechseln.

„Dieser Suchprozess war unglaublich!"  Interview mit der Ordensschwester Alexa von den Franziskanerinnen Salzkotten

Schwester Alexa, was machst du als Ordensschwester in der Gemeinschaft der Franziskanerinnen Salzkotten? Worin besteht dein Beruf?

Im Geistlichen Zentrum in unserem Mutterhaus in Salzkotten habe ich eine so vielfältige Tätigkeit, dass ich gar nicht weiß, wo ich mit dem Erzählen anfangen soll. Ein Schwerpunkt ist die Betreuung unserer Gäste. Viele Personengruppen mit ganz unterschiedlichen Interessen fragen bei uns an und wollen uns besuchen. Das geht los bei Kindergartenkindern und reicht über Kommunionkinder, Firmlinge, Familien und verschiedenste kirchliche Gruppen bis hin zu Menschen im hohen Alter. All diese Menschen sind unsere Gäste für ein paar Stunden oder auch länger und es bedarf viel Kreativität und Wissen, um allen gerecht zu werden. Bei den Besuchen werden meine Mitschwestern und ich mit vielen Fragen zum Kloster, zum Klosteralltag, zum heiligen Franziskus oder zur eigenen Berufung geradezu gelöchert. Ein weiteres Arbeitsfeld, bei dem ich mitwirke, sind die Missionarinnen und Missionare auf Zeit. Seit mehr als 15 Jahren senden wir junge Frauen und Männer in die verschiedensten Projekte nach Malawi, Indien, Indonesien, Osttimor und Rumänien. Die Altersgrenze für Missionarinnen und Missionare auf Zeit liegt bei 30 Jahren. Damit die jungen Menschen die Herausforderungen ihrer einjährigen Missionsreise bewältigen können, werden sie hier bei uns von einem haupt- und ehrenamtlichen Team gut auf ihre Aufgaben vorbereitet. Dann habe ich noch eine weitere verantwortungsvolle Aufgabe: Ich bin Ansprechperson für Frauen, die sich für das Freiwillige Ordensjahr interessieren oder daran teilnehmen. Mit diesem Angebot ermöglichen wir es interessierten Frauen von 18 bis 65 Jahren, drei Monate bis zu einem Jahr lang mit uns mit zu leben, mit uns zu arbeiten und mit uns zu beten. Ansonsten übernehme ich verschiedenste kleine Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft und auch außerhalb. Zum Beispiel bin ich sehr gern in Schulen und erkläre jungen Menschen, was ein Leben als Ordensschwester bedeutet. Was der Alltag auch fordert, übernehme ich gern, weil sich daraus immer wertvolle Begegnungen ergeben.

Was liebst du an deiner Berufung?

Ich bin so unendlich dankbar für meinen bisherigen Lebensweg. Für meine franziskanische Berufung, die ich hier in dieser Gemeinschaft nun schon 26 Jahre leben darf. Besonders hat mich in der Such- und Klärungsphase um die eigene Berufung der Bibelvers aus Dtn 6,5 angesprochen: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben, aus ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit allen deinen Kräften und deinen Nächsten so wie dich selbst.“ Ja das wollte ich! In meinem Zivilberuf als examinierte Krankenschwester kannte ich schon das Dasein für den Nächsten. Das hat mir aber nicht gereicht, ich wollte mich weiter auf die Suche nach dem Herrn begeben. Dieser Suchprozess war unglaublich. Verschiedene Fragen kamen mir in den Sinn: Habe ich wirklich das Vertrauen dazu? Meint er wirklich mich? Ja oder Nein? Denn eigentlich hatte ich doch etwas ganz anderes mit meinem Leben vor. Wenn ich meinen Weg jetzt mit einiger zeitlicher Distanz betrachte, bin ich von Gott wirklich geführt worden. Ein Vers des heiligen Franziskus kam mir in die Hände: „Was der Mensch vor Gott ist, das ist er und nicht mehr.“ Auch das gab mir Mut und Zuversicht und stärkte mich in meinem Entschluss zu einem Ordenseintritt. Ja, ich war mir in meinem Herzen so sicher, dass es dieser Weg sein kann! Von unserer Gründerin Clara Pfänder habe ich einen Vers gelesen, der mich tief bewegt hat: „Unsere Wege sind Geheimnisse der göttlichen Vorsehung, die uns nach ihrem Willen führt, auch wenn wir es nicht verstehen.“ Und so sehe ich es auch heute. Sich führen lassen von seiner Vorsehung, auch wenn es noch nicht so verstehbar ist. Das eigene „Ja“ sprechen und immer wieder erneuern. Den eigenen Auftrag erfüllen. Gott ist immer da, egal wo ich bin; in der Kirche bei der Anbetung, in der Gemeinschaft, bei den Menschen, bei den verschiedensten Aktivitäten. Wenn ich spazieren gehe, singe, musiziere oder kreativ bin – ich liebe Farben! – überall ist Gott. Es gilt immer, die eigene Farbe einzubringen, die eigene Antwort zu geben und so die eigene Berufung zu leben!

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