30.04.2026
monatliche Gebetstage um geistliche Berufungen

Im Gespräch mit Monika Krieg

Der heutige monatliche Gebetstag um geistliche Berufungen trägt die Intention „Für alle Seelsorgerinnen und Seelsorge“. Diesen Tag haben wir zum Anlass genommen, um mit der Diplom-Theologin und Supervisorin Monika Krieg zu sprechen.

 

Monika, stell dich zu Beginn gerne vor:

Zunächst einmal freue ich mich, dass ich in diesem Interview als Seelsorgerin angesprochen werde. Tatsächlich habe ich mich selbst immer als solche verstanden, allerdings durfte ich diese Bezeichnung als Diplomtheologin im Dienst des Erzbistums in den 90er Jahren offiziell nicht führen. Inzwischen hat sich der Seelsorgebegriff auch aus Sicht des Bistums erfreulicherweise geweitet.

Ich, Monika Krieg, bin 66 Jahre alt, geschieden und habe drei erwachsene Söhne, die mit Familie bzw. Partnern in ganz Deutschland verteilt sind, während ich in Paderborn zuhause bin. 36 Jahre lang habe ich im kirchlichen Kontext gearbeitet, zunächst als Regionalreferentin in der Seelsorgeregion Hochstift und nach deren Auflösung im Jahr 2006 als Leiterin der ökumenischen Telefonseelsorge Paderborn bis zu meinem Ruhestand 2024. Gerade in diesem Bereich war ich ganz nah dran an Menschen unterschiedlicher Hintergründe und Verfasstheiten und das hat mich nachhaltig geprägt.

 

 

Was hat dich dazu bewegt, diesen Weg zu gehen?

Warum ich diesen Weg in die Berufstätigkeit in Kirche gegangen bin, hat sicher stark mit meiner Herkunftsfamilie zu tun. Geboren in eine katholische Familie, in der viel über Glauben und Kirche gesprochen wurde, ist sicher die erste Wurzel. Mein Patenonkel war Pfarrer; er hat mich, als ich 17 Jahre alt war, nach Taizé mitgenommen. Das war für mich – auch gerade gegenüber dem traditionellen Kirchenleben im katholischen Sauerland – eine Offenbarung: das einfache, auf das Wesentliche reduzierte Leben, die tiefgehenden Gesänge, der freie und intensive Umgang mit Jugendlichen aus aller Welt. Für die Wahl des Studienfaches Theologie war dann der Katholikentag 1978 in Freiburg die Initialzündung. Bis heute bin ich dankbar dafür, dass ich mit der Theologie ein solch interessantes Fach gewählt habe, das mit „dem großen Ganzen“ zu tun hat: dem Menschen, dem Göttlichen, der Geschichte, der Ethik und Philosophie… Es hat mir einen sehr weiten Blick geschenkt und dafür gesorgt, dass ich an den verschiedenen Anforderungen im Beruf niemals die Freude verloren habe! Und das gilt auch für mein aktuelles Engagement als Ehrenamtliche in Kirchengemeinde und Stadtteilarbeit.

 

Was war das Besondere an deinem Weg?

Ich glaube, es gab eigentlich nichts Besonderes, eher eine fast stringente Logik, wie einen roten Faden in meinem Leben. Das ist natürlich schön! Der Wechsel in die Telefonseelsorge hat allerdings den Blick von den Strukturen weg hin zu Menschen gelenkt. Ich hatte die Aufgabe, die ehrenamtlichen Mitarbeitenden so auszubilden und zu fördern, dass sie den Ratsuchenden am Telefon und in der Onlineberatung eine gute Unterstützung sein konnten. Das fand ich immer sehr berührend, weil diese Ehrenamtlichen bereits viel an Persönlichkeit und sozialen Kompetenzen mitbrachten und sich in der Ausbildung selbst noch weiterentwickelten. Das zu erleben, hat mich sehr berührt. Ich habe da Männer und Frauen kennengelernt, die sich aus unterschiedlichen Motiven und mit echter Hingabe den Ratsuchenden widmeten und das bis heute tun. Und durch ihr Vertrauen, ihr Einlassen auf die Beziehungen mit den Ratsuchenden, den Kolleg*innen und uns Hauptamtlichen habe auch ich sehr viel zurückbekommen. Dieser persönliche Gewinn ist vielleicht einzigartig und nicht in allen Berufsfeldern so gegeben.

 

Sind dir auf deinem Weg Herausforderungen begegnet?

Ich weiß gar nicht, ob es in meinem Leben und Berufsleben besondere Herausforderungen gab. Natürlich gab es wie in jedem Leben spezielle Anforderungen, Verluste und Krisenzeiten, aber ich hatte immer das Glück, in gewisser Weise „getragen“ zu sein. Das gilt auch für meinen persönlichen Glauben und meine Kirchenbindung. Allerdings gab und gibt es immer kritische Themen.  Die verweigerte Zulassung von Frauen zu kirchlichen Ämtern ist eines davon. Allerdings: Als ich 2018/2019 eine Arte-Dokumentation über den weltweiten Missbrauch an Ordensfrauen sah, habe ich doch kurz über einen Kirchenaustritt nachgedacht.

 

An welchen Orten und wie tankst du neue Kraft?

Einmal im Jahr fahre ich an die Nordsee und lasse mir den Geist so richtig „durchpusten“. Das tut mir sehr gut. Zudem habe ich das Glück, mit vielen engagierten Menschen unterwegs zu sein, die sich für die Zukunft der Welt, des Stadtteils, für Notleidende usw. einsetzen, teils aus christlicher, andere aus humanistischer Perspektive. Das stärkt mich ungemein. Eine große Kraftquelle ist auch meine Familie in allen Generationen. Und nicht zuletzt: die Musik. Gerade zu Ostern habe ich mit unserer Chorgemeinschaft erlebt, wie viel tiefer die Botschaft von Tod und Auferstehung wirkt, wenn man sie in Gemeinschaft singt!

 

Was bedeutet Berufung für dich persönlich?

Christliche Berufung heißt ja, von Gott gerufen zu sein, gerufen in eine Lebensweise, die vom Evangelium geprägt ist und damit immer in die Welt, in das Gemeinwesen wirkt, in diesem Sinn also politisch – auf das Gemeinwesen bezogen – ist.
Glauben bedeutet: sich in dieser Berufung festmachen, wenn möglich lebenslang. Das schließt das Tätigsein, aber auch das Beten füreinander und für die gesamte Weltlage ein.

 

Was möchtest du Personen mitgeben, die den Wunsch verspüren, ihre Berufung intensiver zu leben?

Ich würde immer empfehlen, die Gemeinschaft von Menschen zu suchen, die ebenfalls aus dieser Überzeugung leben. Zweite Empfehlung: sich ehrenamtlich im Geist Jesu zu engagieren, soweit es die eigene Zeit zulässt (z.B. in der Telefonseelsorge…). Und drittens: sich anregen lassen durch geistliche Texte – die Bibel, Gebete, Lieder, Gedichte… Mich stärken insbesondere die Gedanken und Lieder von Huub Oosterhuis. All das zusammen – und vielleicht nicht alles gleichzeitig: Dann kann man sich immer wieder neu im Glauben verwurzeln.

 

 

Liebe Monika, wir danken dir für dieses Gespräch und wünschen dir alles Gute!

 

 

Weitere Einträge

© privat

monatliche Gebetstage um geistliche Berufungen
Im Gespräch mit Diakon Helmut Haybach

Der heutige monatliche Gebetstag um geistliche Berufungen trägt die Intention „Für alle Diakone“. Diesen Tag haben wir zum Anlass genommen, um mit Diakon Helmut Haybach aus Lemgo zu sprechen.
© privat

monatliche Gebetstage um geistliche Berufungen
Im Gespräch mit Joachim Veenhof

Der heutige monatliche Gebetstag um geistliche Berufungen trägt die Intention „Für alle in der kirchlichen Sozialarbeit“. Diesen Tag haben wir zum Anlass genommen, um mit Joachim Veenhof vom Sozialdienst katholischer Männer (SKM) Paderborn zu sprechen.
© privat

monatliche Gebetstage um geistliche Berufungen
Im Gespräch mit Pastor Dr. Theophilus Ejeh

Der heutige monatliche Gebetstag um geistliche Berufungen trägt die Intention: „Für alle, die wegen ihres Glaubens ermordet werden“. Diesen Tag haben wir zum Anlass genommen, um mit Pastor Dr. Theophilus Ejeh, einem Priester aus Nigeria zu sprechen.
Adresse: Leostraße 19 | 33098 Paderborn
berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de
05251 206-5400
Instagram
Facebook