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In der Diözesanstelle Berufungspastoral war sie eine feste Größe und gab dem Anliegen der Berufungspastoral im Erzbistum Paderborn ein Gesicht. Nach 15 Jahren als Referentin nahm Sr. M. Gabriele Lüdenbach nun Abschied von ihrem Team. Künftig widmet sie sich neuen Aufgaben.
Grund genug, Bilanz zu ziehen. Im Interview spricht sie von den Veränderungen in der Berufungspastoral, von der Notwendigkeit des Gebets und von den Wünschen für das neue Team.

Hallo, Sr. Gabriele. Du warst nun 15 Jahre Referentin in der Diözesanstelle Berufungspastoral und hast dort eine Menge erlebt. Was denkst Du über diese Zeit?

 

Ich schaue auf diese 15 Jahre mit großer Dankbarkeit zurück. Dankbar für viele Begegnungen mit sehr engagierten Christen an vielen Orten in unserem Erzbistum. Hauptamtliche und Ehrenamtliche, denen das Thema ‚Berufung‘ am Herzen lag und liegt. Ich habe viele Menschen kennen gelernt, die authentisch ihr Christsein lebten, die glaubwürdige Zeugen waren und sind für Gottes Liebe zu jedem Menschen. Ich habe viele hauptamtliche Laien und Priester kennen gelernt, die durch ihr Leben gezeigt haben: Ja, es lohnt sich, für diesen Jesus zu leben und zu wirken.

Dankbar bin ich für die Bereitschaft der Zusammenarbeit auf ganz vielen Ebenen des Erzbistums. Dankbar bin ich auch für die vielen Beterinnen und Beter und auch für einige Gemeinden, die sich gerade für das Gebet im Anliegen der Berufungspastoral stark machen und den Auftrag Jesu sehr ernst nehmen: „Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter in seinen Weinberg zu senden.“

Ich schaue zurück auf viele unterschiedliche Veranstaltungen und Initiativen in all den Jahren; Rufpunkte und Berufungstreffen, Jugendvesper, Besuche in Schulen, Angebote in Hardehausen, Gebetsinitiativen, Zusammenarbeit mit dem BDKJ, um nur einige wenige zu nennen. Für vieles war irgendwann die Zeit vorbei; immer wieder haben wir geschaut, was ‚dran ist’.

Nicht zuletzt bin ich dankbar für die Zusammenarbeit in den unterschiedlichen Teams – es hat mir viel Freude gemacht.

 

Hat die Arbeit in der Diözesanstelle auch auf Deinen persönlichen Berufungsweg Einfluss gehabt?

 

Ich weiß nicht, ob die Arbeit Einfluss hatte auf meinen persönlichen Berufungsweg, zumindest was meine Berufung zum Ordensleben angeht. Ich war vor 15 Jahren von ganzem Herzen Ordensfrau und bin es auch heute noch.

Aber in mir ist die tiefe Überzeugung weiter gewachsen, dass Gott wirkt, auch heute; und dass ER die Berufungen schenkt, die unsere Zeit braucht. Aber ich frage mich auch, ob wir IHN wirklich wirken lassen – und ob wir von unserer Seite genügend tun, dass ER wirken kann. Mir ist das Gebet wichtiger geworden – und es ist vertrauensvoller geworden. Und mittlerweile sehe ich im Gebet um Berufungen, aber auch für die Berufenen, einen ganz persönlichen Auftrag.

Und auch die Mitarbeit im Teilprojekt Evangelisierung hat mich geprägt und lässt mich nicht mehr los. Es gibt allen Grund, an diesen Gott zu glauben und die Freude, die daraus wächst, in die Welt hinein zu tragen. Es gibt allen Grund, für diesen Gott Zeugnis zu geben durch mein Leben, ER lebt und will, dass wir Leben in Fülle haben.

 

Welche Entwicklungen hast Du in den letzten 15 Jahren in der Berufungspastoral wahrgenommen?

 

Als ich vor 15 Jahren begann, war die Berufungspastoral in den meisten (Erz)Bistümern noch sehr stark auf die Berufung zum Priester ausgerichtet. Ich habe am Anfang sehr viele Vorbehalte erlebt zur Mitarbeit, gerade auch bei den Laien, weil viele dies als Engführung erlebten. Sie fühlten sich auch als Berufene und taten ihren Dienst, weil sie Gottes Ruf erfahren hatten. Das hat sich im Laufe der Jahre gewandelt, und ich bin sehr dankbar dafür.

Der gesamte Zukunftsprozess hat in unserem Erzbistum die ‚Pastoral der Berufung‘ als grundlegend, als Wasserzeichen in den Mittelpunkt gestellt. In diesem Prozess waren wir als Diözesanstelle Berufungspastoral gerade in der theologischen Grundlagenarbeit mit involviert. Ich habe das Gefühl, dass dieses Bewusstsein mittlerweile in vielen Bereichen gewachsen und jetzt auch ‚angekommen‘ ist.

Die Frage, die sich mir heute stellt, ist, ob es jetzt wieder verstärkt Aufgabe der Diözesanstelle Berufungspastoral ist, geistliche Berufe und pastorale Dienste in den Blick zu nehmen. Klar ist aber, dass die beste Werbung für jeden Beruf und jede Berufung glaubwürdige Vorbilder sind – das gilt für geistliche Berufe und pastorale Dienste gleich.

 

In Deutschland entscheiden sich immer weniger junge Menschen für einen geistlichen oder pastoralen Beruf. Ist Berufungspastoral in dieser Hinsicht gescheitert oder zumindest nicht besonders erfolgreich?

 

Die Diözesanstelle Berufungspastoral hat meiner Meinung nach vor allem die Aufgabe, das Thema wach zu halten und immer wieder berufungspastorale Impulse zu setzen. Deshalb sehe ich ihren Dienst überhaupt nicht als gescheitert, denn ‚Berufung‘ ist wirklich zum Thema in unserem Erzbistum geworden.

Ich glaube zutiefst, dass Gott auch in der heutigen Zeit die Berufungen schenkt, die Kirche und Welt brauchen. Berufungen können wir Menschen nicht machen. Auch die Berufungspastoral nicht. Jeder Christ/jede Christin ist da in die Pflicht genommen: Lebe ich so, dass mein Lebensstil für andere einladend ist? Zeigt mein Leben, dass ich mit diesem Jesus auf dem Weg bin? Habe ich selbst ein offenes Herz und offene Augen für Menschen, in denen Gott am Werk ist, die suchen…

In so mancher Gemeinde scheint mir ein Klima zu fehlen, in dem Berufungen wachsen können – offene Herzen, Ermutigung für junge Menschen, die an einen solchen Weg denken, auch mal den Mut, einen suchenden Menschen anzufragen, ob ein Dienst in der Kirche etwas für ihn/sie sein könnte. Ist die Gemeinde ein Ort, wo spürbar wird, aus welcher Quelle wir Christen leben? Dass wir unser Leben an Jesus Christus und seinem Evangelium orientieren wollen?

 

Dir lag in den 15 Jahren Deiner Arbeit vor allem auch das Gebet um Berufungen am Herzen. Inwieweit tragen solche Gebete zur Arbeit der Berufungspastoral bei?

 

Das Gebet in diesem Anliegen ist in vielen Gemeinden und auch bei vielen Haupt- und Ehrenamtlichen kein Thema – es könnte aber ein Weg sein, in eine größere Wachheit auf Berufungen hin zu kommen. Dabei ist es sicher nicht die ‚Menge‘ des Gebetes, sondern das Vertrauen. Jesus hat den Auftrag gegeben: ‚Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte zu senden…‘ Viele denken dabei zunächst an Priester – doch so kann ich es nicht verstehen. Jede und jeder Getaufte hat von dieser ihrer bzw. seiner Berufung her den Auftrag, ‚Arbeiter für die Ernte‘ zu sein, mit seinen Charismen, mit seinem ganzen Leben. Deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig, dass wir nicht mit einer vorgefertigten Meinung auf mögliche ‚Erntearbeiter‘ schauen – Gott hat da oft anderes im Sinn.

Das zeigt uns die Bibel in den vielen Berufungsgeschichten – viele von den von Jesus Berufenen hätten heute vielleicht keine Chance. Von daher würde ich mir zutiefst wünschen, dass dieser Gebetsauftrag Jesu ernster genommen wird – von jedem einzelnen Christen, aber auch in den Gemeinden.

 

In der Diözesanstelle stellt sich nun das Team neu auf. Welche Wünsche hast Du an bzw. für die neuen Kolleginnen und Kollegen?

 

Ich freue mich von ganzem Herzen über das neue Team, alle sind mir ja aus unterschiedlichen Zusammenhängen bekannt. Allen ist das Thema ‚Berufungspastoral‘ ein Herzensanliegen. Ich glaube, dass alle sehr kreativ sind und mit vielen neuen Ideen ihren Dienst beginnen. Mein Wunsch für sie ist, dass sie nicht in Aktivismus verfallen, sondern sich immer wieder vom Hl. Geist leiten lassen.

Im Erzbistum habe ich sehr viel Bereitschaft zur Kooperation erlebt, und es braucht Kooperationspartner. Ich wünsche dem neuen Team, dass es neue Möglichkeiten findet, das Anliegen „Geistliche Berufe und pastorale Dienste“ verstärkt an – auch neuen – pastoralen Orten zu verorten.

Und ich wünsche ihm, dass sie durch ihr persönliches Zeugnis und passende Angebote bei den ‚Berufenen‘, die müde oder enttäuscht sind, neue Freude am Glauben und Bereitschaft zum Zeugnis wecken können. Augustinus meint: „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.“ Das stimmt sicher auch heute noch.

 

Du hast neue Aufgaben im Erzbistum übernommen. Was genau machst Du jetzt?

 

Es war nach 15 Jahren Zeit, noch mal etwas ganz anderes zu beginnen. Meine neue Aufgabe im Erzbistum liegt einmal in der Begleitung der Priester, die im Ruhestand sind; dabei bin ich Mitarbeiterin von Weihbischof Berenbrinker, der in diesem Bereich als Bischofsvikar für die Ruhestandsgeistlichen schon ganz viel auf den Weg gebracht hat. Aber die Zahl der Ruhestandsgeistlichen wächst, zurzeit sind es gut 300 – da kann noch manches ausgebaut werden.

Mit der anderen halben Stelle werde ich zunehmend im Besuchsdienst für kranke Priester im aktiven Dienst unterwegs sein. Beide Stellen sind neu eingerichtet worden und müssen jetzt gefüllt werden. Die Erfahrungen der ersten Wochen lassen mich hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.

 

Liebe Sr. Gabriele, herzlichen Dank für das Interview und Gottes Segen für Deine neuen Aufgaben!

15 Jahre prägte Sr. M. Gabriele die Geschicke der Berufungspastoral in unserem Erzbistum mit. Für die vielen Anregungen und Initiativen, für ihr Engagement in den großen und kleinen Dingen, für ihr klares Wort und die vielen „herzlichen Lacher“ danken wir ihr ganz herzlich.

Nach ihrem Weggang stellt sich das Team der Berufungspastoral personell neu auf. Weiterhin bleiben im Team Pastor Dr. Andreas Rohde als Leiter der Stelle und Johannes Schäfers als Referent. Bereits seit dem 1.4. ist Sr. Dr. M. Alexandra Völzke FCJM, Franziskanerin
von Salzkotten, für die Berufungspastoral tätig. Hinzu kommen noch im Juli Vikar Stefan Kendzorra und im September Ann-Kristin Idzik als weitere Gemeindereferentin. Diese drei sind jeweils mit einer halben Stelle für die Arbeit in der Berufungspastoral beauftragt.
Zudem wurde Subregens Matthias Klauke zur Mitarbeit in der Diözesanstelle beauftragt. Das neue Team trifft sich Anfang August zur Klausurtagung und berät dort über Arbeitsschwerpunkte und das Jahresprogramm 2019.