05251 206-5400

Der Glaube an den Gott Jesu Christi ist nicht irgendein Welterklärungszweck,
sondern zweckfrei und sehr sinnvoll und außerdem auch vernünftig.

Origami Divider
Origami Divider

Stephan Jung

Hallo Herr Pfarrer Jung, Sie sind Leiter des Pastoralen Raumes Neheim und Voßwinkel im Sauerland. Was können Sie noch über sich sagen?
Einiges. Ich beschränke mich hier auf einige Rahmendaten. Ich wurde in Siegen geboren und bin dort aufgewachsen. Nach dem Abitur habe ich in Paderborn und Wien Theologie studiert. Als Diakon war ich in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Dortmund-Lütgendortmund. 1990 wurde ich zusammen mit 29 Mitbrüdern  zum Priester geweiht. Es folgten die Jahre als Vikar in den Pfarreien St. Patrokli, Soest und in St. Pankratius, Gütersloh. Danach war ich sechs Jahre in unserem französischen Schwesterbistum  Le Mans tätig. Im Jahr 2005 kam ich nach Neheim und der Wirkungskreis hat sich infolge der Vergrößerung der pastoralen Räume erweitert, so dass ich seit 2013 Pfarrer einer aus ehemals fünf selbständigen Gemeinden fusionierten Pfarrei mit dem  Namen St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel geworden bin.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Priester zu werden?
In unserer Familie war der  Glaube der Kirche natürlicher Bestandteil des Lebens. Dazu gehörte selbstverständlich die Einbindung in das Leben der Pfarrgemeinde vor Ort. Gerne spreche ich nach wie vor von meiner Heimatgemeinde St. Peter und Paul in Siegen, die mich geprägt hat und mit  der ich nach wie vor in Verbindung stehe. Irgendwie fühlte ich mich zu Gebet und Gottesdienst hingezogen. Nach der Erstkommunion war es eine schöne Selbstverständlichkeit, Messdiener werden zu können. Der Kontakt mit den in der Gemeinde wirkenden Priestern, die Erfahrungen in Kinder- und Jugendgruppen, gemeinsame Unternehmungen,  das Erleben von jungen Männern, die vor mir ins Leokonvikt gegangen sind, all das sind Bausteine, die die Idee aufkeimen ließen, Priester werden zu wollen. Und ohne es an einem bestimmten Datum festmachen zu können, reifte die Überzeugung, dass das Evangelium eine Botschaft ist, für die es sich – in diesem Fall als Priester in dieser konkreten Kirche – zu leben lohnt.

Was hat Ihnen damals geholfen, die Entscheidung zu treffen, Priester zu werden?
Es ist gut, dass die Entscheidung nicht von jetzt auf gleich getroffen werden muss, sondern sich entwickeln kann. Die Freude am Theologiestudium war das eine, die Weggemeinschaft von Mitstudenten, die auf dem gleichen Weg waren und eine gute Atmosphäre in unserer Semestergemeinschaft haben geholfen. Aber es trug ganz sicher auch das Erleben von vielen Priestern im Laufe des Studiums, die in ihrem Auftreten menschlich und geistlich glaubwürdig wirkten, zur Entscheidungsfindung bei, und ganz einfach auch der Eindruck, dass sie glücklich waren und das ausstrahlten.

Ich kann mich an ein Beichtgespräch in Wien bei Domprediger Zimmermann – genannt “Zi“ –  erinnern. Ich trug ihm  meine Bedenken und Zweifel bezüglich des Glaubens und wahrscheinlich auch bezüglich des Weges als Priester vor. Er meinte kurz und knapp – :“ Und wenn es alles nicht stimmt mit Gott usw., dann haben sie allemal ein sinnvolles Leben geführt!“ Irgendwie saß das und überzeugt mich noch heute – auch angesichts mancher Lebensentwürfe, die mir heute begegnen. Ein Schlüsselerlebnis war im Nachhinein auch der Kehrvers „Die Freude an Gott ist unsere Stärke“, den ich in einer Messe bewusst hörte und der mich traf. Das ist es, so schien mir, der Glaube an den Gott Jesu Christi ist nicht irgendein Welterklärungszweck, sondern zweckfrei und sehr sinnvoll und außerdem auch vernünftig. Den Satz von Don Bosco „Das Beste, was wir auf der Welt tun können, ist fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ übernehme ich gerne als Motto auch für mein Leben.

Was stärkt Sie heute in Ihrer Berufung?
Es ist nach wie vor die Überzeugung, dass die Botschaft Jesu die beste ist. Es ist bei aller notwendigen Selbstkritik die Freude an der Kirche. Und natürlich die so ungeheuer vielfältigen Begegnungen mit Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche, jeden Alters, in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Hinzu kommt die Erfahrung, dass mein Dienst als Priester und Seelsorger gefragt ist. Und die aktuelle Situation, die sich seit langem angedeutet hat, begreife ich als Herausforderung. Wir werden als Kirche in Deutschland noch weniger werden, aber es gibt doch auch deutliche Anzeichen von Wachstum und Erneuerung. Zum Beispiel erlebe ich es seit über einem Jahr als ein Geschenk, dass eine wachsende Anzahl von Jugendlichen (mittlerweile rund 20) am Samstagmorgen um 7.00 Uhr zum Gebet der Laudes  – die Stundenbuch App macht´s möglich – und zum anschließenden Frühstück in meine Wohnung kommen. Sie meinen es ernst damit, in ihrem Glaubensleben zu wachsen. Daraus hat sich dann auch eine YOUCAT-Gruppe entwickelt, die sich sonntagsabends trifft. Es sind  Jugendliche unserer Zeit, nicht neben der Spur, aber mit der Erkenntnis, dass sie ihre Taufe und Firmung nicht vergeblich empfangen haben, sondern daraus etwas machen wollen…Einer gehört dazu, von dem man im deutschen Fußball wahrscheinlich noch sehr viel hören wird.

Auch sind es Priestergestalten aus Geschichte und Gegenwart, die mich ermutigen. Ich denke an Franz Stock, der ja aus Neheim stammt und der als Priester Unglaubliches geleistet hat. Obwohl er unter ungleich schwierigeren Verhältnissen in Frankreich tätig war als ich, teile ich seine Liebe zu unserem Nachbarland, zu seiner Kultur und dem konkreten Erscheinungsbild der Kirche dort. Es sind dort Laien wie Priester, die ein ermutigendes Zeugnis ihres Glaubens geben. Ich habe den aus Voßwinkel stammenden Erzbischof Karl Hesse vor Augen, den ich in Papua-Neuguinea besuchen konnte und der die Freude am Evangelium mit einer großen Liebe und Zuneigung zu den Menschen verbindet, unter denen er fernab von good old Germany schon so lange wirkt.

Die Arbeit des Priesters hat sich in den letzten Jahren zunehmend verändert. Was macht Ihnen dabei Sorge und was sehen Sie positiv?
Ich sehe den priesterlichen Dienst in meiner eigenen Erfahrung nicht in Frage gestellt. Es kam in der Kirche um ihrer Glaubwürdigkeit willen immer schon auf eine gute Kooperation zwischen allen Gliedern an, so auch zwischen den unterschiedlichen pastoralen Diensten heute und morgen. Natürlich gehören die Volkskirche und auch die Gemeindekirche zu immer größeren Teilen der Vergangenheit an. Die Verdunstung des Glaubens ist eine Realität, die so stark zurückgehende Glaubenspraxis ist bedrückend. Es stellt sich die Frage, ob die größer gewordenen Räume für einen Pfarrer als Leiter – bei allen Hilfen, die gegeben werden – eine noch zu leistende Aufgabe darstellen.

Die Veränderungen tragen dazu bei, dass es wir uns die Frage nach unserer kirchlichen und auch priesterlichen Identität neu stellen. Das ist positiv.  Es gibt keine Zukunft für die Kirche ohne Erneuerung im Glauben, die mit einer geistlichen Vertiefung einhergeht. Eine neue    aber eigentlich immer schon dagewesene Herausforderung ist, dass wir jede Gelegenheit nutzen, mit unseren Zeitgenossen in Kontakt zu kommen.  Ich rate allen in der Pastoral Tätigen, es einmal systematisch mit dem Besuch der Jugendlichen zum 18. Geburtstag zu versuchen. Wenn menschlich eine Beziehung gestiftet ist, dann ist die Grundlage für das Glaubensthema geschaffen. Und die Erfahrung lehrt mich auch, dass ich geben darf, aber oft umso mehr empfange.

Was würden Sie einem jungen Menschen raten, der sich überlegt, einen Beruf in der Kirche zu ergreifen?
Ich würde ihn ermutigen, seine Fähigkeiten in den Dienst Gottes und seiner Kirche zu stellen. Die Möglichkeiten hierzu sind doch immer noch sehr vielfältig. Und sich Gesprächspartner zu suchen, mit denen er seine Fragen besprechen kann.

 

Weitere Glaubenszeugnisse

Material Design Shadow
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400
Fax. 05251 206-5600

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Erzbistum Paderborn
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn
Erzbistum Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400
Fax. 05251 206-5600

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Folge der Diözesanstelle Berufungspastoral auf Facebook
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400
Fax. 05251 206-5600

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Folge der Diözesanstelle Berufungspastoral auf Facebook
Erzbistum Paderborn