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„Es ist abenteuerlich, sich mit dem Gott der Überraschungen einzulassen.“

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Sr. Maria Georg Loos

In meinem Leben habe ich Gott immer wieder als einen Gott der Überraschungen erlebt.

Ich wurde 1943 während des Krieges im Sudentenland geboren und bin mit so vielen Menschen damals aus dem Land verwiesen worden. Von Ostdeutschland floh ich 1950 mit meiner Mutter, wieder wie viele andere, nach dem Westen. In diesem Abenteuer wurde mir schon als Kind bewusst, dass es heute noch Wunder gibt, denn das Ganze grenzte ans Wunderbare. Menschen, die wir zufällig trafen, setzten ihre eigene Freiheit aufs Spiel, um uns weiterzuhelfen, und wir erlebten trotz Angst und Unsicherheit immer wieder Gottes Schutz und Sorge durch gute Menschen.

1958 ging ich nach Neuenbeken bei Paderborn in die Missionsschule, die zum Englischen Oxford Examen führte, denn mein Sinn stand fest: Ich wollte in die Mission gehen, und zwar als Lehrerin. Ja, schon immer wusste ich genau, was ich wollte und war sehr entschlossen, es auch zu erreichen. Aber ich hatte nicht mit einem persönlichen Gott gerechnet, der auch wusste, was er wollte und es auch zustande brachte. Aber ich lernte während meiner Noviziatszeit, Ihm zu vertrauen, und der Wille Gottes wurde für mich, und ist es immer noch, das Wichtigste in meinem Leben.

So kam es auch, dass ich, anstatt nach England zum Lehrerstudium zu gehen, in Canada landete, um Physiotherapie zu studieren, denn ich sollte in die Transkei nach Ikhwezi Lokusa (in ein von deutschen Sternsingern gebautes Kinderheim für behinderte Xhosas). Dann kam aber auch schon wieder die neue Überraschung. Als ich in Südafrika landete, hieß es, ich müsste vom Staat aus erst einmal 3 Jahre in Natal im Krankenhaus arbeiten, denn Physiotherapeuten waren rar . Na ja, auch egal, wo ich bin, dachte ich und fing im St. Mary’s Krankenhaus in Mariannhill an.

Aber schon nach ein paar Monaten kam eine Nachfrage von unserer neugewählten Provinzoberin, ob ich sie nicht im Gymnasium für 2 Wochen in Physik und Chemie vertreten könnte, bis ein neuer Lehrer für diese Fächer in den Abiturklassen gefunden sei. Aber, wie so oft im Ordensleben, wurden aus diesen 2 Wochen 30 Jahre. Obwohl verschiedene Lehrer es versuchten, blieben sie nicht, sodass nach einigem Hin und Her beschlossen wurde, ich solle bleiben. 15 Jahre lang pendelte ich zwischen Hospital und Schule hin und her, versuchte beiden Institutionen gerecht zu werden und wusste selber nicht genau, war ich Therapeut oder Lehrerin. Ich war mit Leib und Seele Lehrerin, aber hatte die Fächer nicht studiert und meine Gebete waren ernste Zwiesprachen mit Gott, dass er sich bestimmt geirrt hätte, dass ich das nicht durchziehen könnte. Aber wieder bewies er sich als Gott der Überraschungen, denn im ersten Abitur kamen alle 40 Schüler in Physik und Chemie durch, und sehr gut noch dazu (und so blieb es dann auch in den ganzen 30 Jahren – kein einziger Student ist je im Abitur, auch nicht in meinen Fächern, durchgefallen) Na, da musste ich halt klein beigeben. Um auch innerhalb der Kongregation aktiv zu sein, wurden mir dann noch die jungen Schwestern in der Vorbereitung zur ewigen Profess anvertraut, was ich auch als eine Überraschung Gottes empfand. Nach 15 Jahren ging ich ganztägig in die Schule und verabschiedete mich vom Krankenhaus. Als Überraschung kamen zu meinen Unterrichtfächern noch Biologie und ab und zu Mathematik dazu, obwohl ich keine Lehrerin war. Dem musste Abhilfe geschaffen werden und ich ging ein Jahr nach Pietermaritzburg, um das Postgraduation Lehrerdiplom nachzuholen. Ein Jahr himmlischer Ruhe, denn wenn man 20 Jahre unterrichtet hat, fällt das Studium ja leicht. Nun war ich zu meiner Überraschung halt doch Lehrerin geworden und sehr bald hatte ich mit den Schülern die verschiedensten Klubs angefangen. Wir setzten uns sehr für Interreligiöse Zusammenarbeit und Versöhnung zwischen den verschiedenen Rassen und Stämmen ein. Wir fuhren durch das ganze Land und hielten Workshops, sogar in weißen Schulen, und meine Schüler waren ja alle Zulu, Xhosa oder Sotho, also war dies allein schon ein Zeichen des Wohlwollens zwischen den Rassen in einem Land, das noch von Apartheit geprägt war. Hier nur ein einziges Beispiel: zwei der Schülerinnen übernachteten bei einer älteren deutschen Frau, als wir in Pretoria waren. Als ich sie am nächsten Morgen abholen wollte, weinte die Frau und ich hatte schon Angst, irgendetwas wäre schief gelaufen. Da aber erzählte sie mir: „ Ich lebe schon 40 Jahre hier in Pretoria, aber in den letzten 15 Jahren hatte ich immer Angst, wenn ein Afrikaner an meinem Haus vorbei ging, oder wenn einer an meiner Tür schellte, denn man hörte ja immer wieder von Überfällen. Aber gestern Abend habe ich 2 in mein Haus aufgenommen, und sie sind mir zu meinen Töchtern geworden. Wir haben zusammen gekocht, gebacken und sogar geputzt, und die Mädchen können arbeiten. Sie haben mir so viel gegeben, ich habe meine ganze Einstellung verändert, und ich bin ihnen so dankbar…“ Ich konnte nur sagen : DEO GRATIAS.

Wir standen immer wieder neben Muslimen, Hindus und Buddhisten, neben den Anhängern der Bahai und der Afrikanischen Naturreligion und beteten zusammen in den großen Anliegen unserer Zeit: HIV/AIDS, Gewalt, Krieg, Vergewaltigung, Trafficking von Frauen und Kindern und dem Zusammenbruch der Familien.

2004 überraschte mich Gott wieder einmal neu, ich wurde nach Mthatha als Provinzoberin geschickt, dorthin, wo ich 30 Jahre vorher schon als Therapeutin arbeiten sollte. Nach 4 Jahren wurde ich als Assistentin in unser Generalat nach Rom gerufen. Von dort aus wurde ich von der deutschen Provinz als Provinzoberin angefragt. So bin ich hier, immer wieder neu überrascht über die Wege und Pläne, die Gott in meinem Leben hat und dankbar, dass er mir so viel Vertrauen und Hilfe schenkt.

Ja, es ist abenteuerlich, sich mit dem Gott der Überraschungen einzulassen. Wenn ich mein Leben noch einmal gestalten könnte, ich würde es genau so wieder tun.

Sr. Maria Georg Loos, Missionsschwester vom Kostbaren Blut (CPS), Missionshaus Neuenbeken

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