05251 206-5400

„Was ist das für eine Kirche, wenn ich sonntags im Gottesdienst die Menschen neben mir nicht kenne?“

Origami Divider
Origami Divider

Sonja Jaschke

Hallo, Sonja, erzähl mal von Dir. Woher kommst Du? Wie alt bist Du und was hast Du bisher gemacht?

Ich bin Sonja Jaschke und 19 Jahre alt. Ich bin in Hagen geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Neben meinem Sport Judo bin ich gerne Messdienerin und seit meiner eigenen Firmung 2014 auch Firmkatechetin. 2017 habe ich mich entschlossen, nach meinem Abitur ein Jahr als „Missionarin auf Zeit“ ins Ausland zu gehen.

Du bist gerade nach einem Jahr als „Missionarin auf Zeit“ aus Indonesien zurück und sicher noch voller Eindrücke. Wie bist Du dahin gekommen, wie hast Du dort gelebt und was hattest Du für Aufgaben?

Die Entscheidung, als „Missionarin auf Zeit“, kurz MaZ’lerin, ins Ausland zu gehen, war ein langer Prozess. Ich habe immer wieder Berichte von Freiwilligen in Entwicklungsländern gelesen. Die haben mich fasziniert und mit der Zeit bemerkte ich, dass das auch was für mich sein könnte. Als ich mich nach Organisationen umschaute, die dieses Programm anbieten, stieß ich auf die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Salzkotten. In deren Vorbereitungszeit entschied ich mich dann für das Kinderheim „Panti Asuhan St. Pius IX“ auf Sumatra, Indonesien. Ich habe in einer Kommunität zusammen mit Schwestern gelebt, aber die meiste Zeit in dem Heim direkt nebenan verbracht. In dem Heim leben etwa 40 Kinder und Jugendliche, ca. 5 bis 19 Jahre alt, Mädchen und Jungen. Wenn sie in der Schule waren, half ich in der Küche, im Haus, im Stall oder auf den Feldern beim Säen, Ernten, Unkrautzupfen… Nachmittags habe ich den Kindern und Jugendlichen bei den Hausaufgaben geholfen, zweimal die Woche Englischunterricht gegeben, sie bei ihren Aufgaben begleitet, mit ihnen in ihrer Freizeit gespielt. Neben dem Arbeiten hat das gemeinsame Gebet eine große Rolle gespielt. Jeden Morgen war ich in der Hl. Messe bei den Schwestern, abends im Panti beim Abendgebet. Vor und nach dem Essen, Veranstaltungen, Festen usw. wurde immer gebetet. Wir haben zusammen gelebt und ein Jahr unser Leben geteilt. 

Wie hast Du Gemeinschaft und Kirche in Indonesien erlebt?

Gemeinschaft ist eine der wichtigsten Grundlagen der indonesischen Kultur. Dies hat sich in allem widergespiegelt, im Alltag wie auch bei Festen. Jeder hat mitgemacht, alle waren zusammen, für sich alleine war man selten. In Indonesien leben in absoluten Zahlen die meisten Muslime. Nur etwa 3% der Bevölkerung sind Katholiken. Anders als in Deutschland sind die Katholiken dort eine sehr kleine Minderheit. Ich denke, dass auch dies das Gemeinschaftsleben innerhalb einer Kirche, einer Gemeinde stärkt. In meiner Umgebung habe ich gespürt, dass es den Menschen wichtig war, am Sonntag in die Kirche zu gehen, an Veranstaltungen und Festen, an Jugendkreisen und für die Kinder an der Sonntagsschule teilzunehmen. Der Glaube ist in den Menschen tief verwurzelt und trägt durch den Alltag, ist immer gegenwärtig. So kommen sie aus einer tiefen Überzeugung und auch einer Begeisterung zu den Gottesdiensten. Es kam nicht selten vor, dass wir während der Predigt gelacht haben. Es war nicht so, dass die Predigten nicht tiefgründig gewesen wären. Aber sie wurden auf eine humorvolle Art gestaltet. So konnte ich oft etwas für meinen Glauben mitnehmen.

Was könnte die Kirche in Deutschland von der Kirche in Indonesien lernen?

Was ist das für eine Kirche, wenn ich sonntags im Gottesdienst die Menschen neben mir nicht kenne? Wo ist in Deutschland eine Gemeinschaft, in der ich Halt finden kann, in der ich Fragen und Themen ansprechen kann, die mich beschäftigen? In Indonesien habe ich gelernt, wie wichtig Austausch ist. Ohne Austausch mit anderen Freiwilligen über den Dienst wäre ich eingegangen, aber ohne Gespräche mit anderen über unseren Glauben hätte mir echt etwas gefehlt. Neben Gemeinschaft bzw. Austausch könnten wir begeisterter sein. Jesus bietet uns eine Beziehung an, seine Botschaft will und muss(!) im Hier und Jetzt gelebt werden. Nicht auf morgen warten…

Hat sich Dein Glaube in Deinem Jahr in Indonesien verändert?

Ja, er ist tiefgründiger geworden. Nach ein paar Wochen in Indonesien habe ich gemerkt, wie viel Kraft ich aus der Hl. Messe am Morgen ziehe. Es ist ein festes Ritual geworden. Wenn am Abend Messe war, habe ich immer darauf gewartet. Das mag sich komisch anhören, aber ich habe es selber erlebt. Vieles, was vorher abstrakt war, hat Hand und Fuß bekommen oder ist in den Hintergrund gerückt. Was an Gestalt und Wichtigkeit zugenommen hat, war die Zeit zusammen mit Jesus, die Zeit des Gebetes. Ich habe ein Jahr in einer Umgebung gelebt, in der der Glaube völlig normal und gegenwärtig war. In Indonesien muss jeder Mensch einer Religionsgemeinschaft angehören. An meinem Wirkungsort bin ich durch die Schwestern meistens dem katholischen Glauben begegnet. Einen Sonntag war ich in einer besonderen Gemeinde. Die Anzahl ihrer Mitglieder beträgt nur 15 Menschen, vom Kind bis zur Oma. Die letzten 45 Minuten zu dem Dorf dieser Gemeinde muss man zu Fuß laufen. Die Kapelle ist sehr klein, aus Holzbrettern zusammengebaut, die Ausstattung aufs Nötigste beschränkt. Zweimal im Jahr kommt ein Priester, um die Hl. Messe zu feiern. An den anderen Sonntagen treffen sie sich zum Wortgottesdienst, den sie selber gestalten. Der Glaube und die Ausdauer der Menschen in der Gemeinde haben mich tief beeindruckt.

Was möchtest Du für Deinen Lebensweg aus Deinem Einsatz als „Missionarin auf Zeit“ mitnehmen?

Ich nehme viele Erinnerungen mit, etliche Situationen, Begegnungen, die ich nicht vergessen möchte, wie z.B. der Glaube der Gemeinde mit nur 15 Mitgliedern. Die Erfahrung, wie viel Kraft mir der Glaube geben kann, wenn ich mich voll und ganz darauf einlasse. Aber auch eine Art „Lebensgefühl“, welches ich während des Einsatzes erfahren durfte. Ja, wir haben recht arm gelebt. In Indonesien gibt es kein Sozialsystem wie in Deutschland. Damit das Kinderheim bestehen kann, ist es auf Unterstützung von der Bevölkerung angewiesen. Immer wieder kamen Menschen, die uns Reis, Zucker, Öl, Hefte, Stifte, Kleidung usw. brachten. Und trotzdem musste geguckt werden, wie das Schulgeld und anderes finanziert wird. Aber die Menschen, allen voran die Kinder, die ich kennengelernt habe, sind glücklich und hoffnungsfroh. Darauf schauen sie zuerst. Nicht, ob sie arm sind oder eine bewegte Vergangenheit haben. Auch wenn es wenig gab, haben sie mit anderen, denen es noch schlechter ging, geteilt. Sie glauben, dass das Nötige dann von anderer Seite wieder zu ihnen kommt. Der Alltag gibt ihnen Recht. Es war ein Geben, aber empfangen durften wir viel mehr, als wir gaben.

Weitere Glaubenszeugnisse

Material Design Shadow
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400
Fax. 05251 206-5600

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Erzbistum Paderborn
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn
Erzbistum Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400
Fax. 05251 206-5600

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Folge der Diözesanstelle Berufungspastoral auf Facebook
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400
Fax. 05251 206-5600

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Folge der Diözesanstelle Berufungspastoral auf Facebook
Erzbistum Paderborn