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„Die Sehnsucht nach Gott treibt mich immer wieder in eine heilsame Unruhe.“

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Regina Beissel

„Sie sind die inkarnierte Unruhe!“ Über diese mit leichtem Humor geäußerte Feststellung einer Ordensfrau musste ich zunächst schmunzeln. Hatte sie Recht? Nun – zumindest nicht ganz unrecht! Ich habe ein sehr bewegtes Leben geführt und Phasen der Unruhe kommen immer wieder: Sie ermutigen mich, neue Wege auszuprobieren und nicht stehen zu bleiben!

Meine Kindheit war – zumindest was die äußeren Umstände anbetraf – sehr unruhig: Geboren in Hattingen, dann Umzug nach Berlin, dann Erlangen, Afghanistan, wieder Erlangen, Südafrika, wieder Erlangen und schließlich Indien.

Wenn ich in all dem Hin und Her rückblickend trotzdem die ersten Spuren einer verbindlichen Lebensentscheidung, einer Berufung, erahne, dann waren es die Begegnungen mit Ordensfrauen in Südafrika und Indien. Dabei imponierte mir weniger ihr Engagement auf den Straßen Johannesburgs bzw. Bombays oder die Tatsache, „Nonnen“ zu erleben; vielmehr traf ich auf Frauen, die sich mit ihrem ganzen Leben, ohne „wenn und aber“ engagierten. Diese „Ganzhingabe“ faszinierte mich bereits als Kind!

Wieder in Deutschland engagierte ich mich „ganz“ – aber diese Hingabe hatte trotz katholischer Sozialisation meiner Familie mit Kirche wenig zu tun.

Meine große Liebe galt der Musik: Vor der Schule übte ich, direkt nach der Schule übte ich, nach sehr eilig angefertigten Hausaufgaben übte ich weiter. Musik war mein Leben! Folgerichtig stürzte ich mich nach dem Abitur mit all meinen Kräften ins Musikstudium – zunächst studierte ich in Nürnberg, dann in Detmold.

Die Semester in Detmold dienten jedoch nicht – wie geplant und erträumt – als Sprungbrett für eine Karriere als Klarinettistin, vielmehr überraschte mich eine große innere Unruhe: ‚War es richtig, sich total der Musik, sich ganz einem Instrument zu verschreiben? Was könnte passieren, wenn ich bei einem Unfall einen Finger verlieren sollte oder Probleme mit dem Gehör bekäme? Dann hätte ich nichts mehr!‘ Über diese inneren Szenarien muss ich heute lächeln, aber sie waren der Grund für eine intensive Suche. Bei aller Liebe zur Musik – es musste mehr geben!

So landete ich in der Studentengemeinde und fand mich in einem Kreis junger Christen – sie motivierten mich, intensiv, ja fast leidenschaftlich nach einem Sinn in meinem Leben, nach Gott und nach der für mich geeigneten Lebensform zu suchen. Die Folge war der Eintritt in eine geistliche Gemeinschaft nach meinem Examen. Sehr bald musste ich jedoch feststellen, dass diese Lebensform nicht die meine war und verließ die Gemeinschaft im Noviziat.

Tief enttäuscht begann ich erneut andere Lebensperspektiven zu entwickeln. Wohin wollte Gott mich, Regina Beissel, führen? Sollte es eine Partnerschaft sein? War es doch die Musik? Ich studierte Musiktherapie an der Universität Siegen und arbeitete fast 15 Jahre lang in einem Heim für Jungen im Alter zwischen 13 und 23 Jahren. Die Arbeit füllte mich äußerlich aus, innerlich blieb ich „kribbelig“, verbrachte viel Zeit allein im Gebet und suchte weiter.

Schließlich stieß ich auf eine mir bis dahin fremde Lebensform: „virgo consecrata – gottgeweihte Jungfrau“. Obwohl mich der Name zunächst abschreckte, merkte ich sofort: Ja, das ist es! Hier habe ich meine ureigene Lebensform entdeckt, hier habe ich einen Lebenssinn gefunden, der über dieses Leben hinausgeht, hier kann ich mein geistliches Leben individuell gestalten und zudem meinem Beruf nachgehen, hier kommt mir auch die in den Jahren als Musikerin erworbene Selbstdisziplin sehr zustatten (denn es läutet nun einmal keine Glocke zu meinen Gebetszeiten – da brauchts immer wieder die innere Glocke!). Am 4. Oktober 2002 empfing ich die Jungfrauenweihe.

Zunächst aus purem theologischem Interesse absolvierte ich nach meiner Weihe den „Theologie im Fernkurs“, der mich schließlich auf eine neue berufliche Schiene brachte – Gemeindereferentin. Es fiel mir nicht leicht, meine therapeutische Tätigkeit aufzugeben, mich mit über 40 Jahren immer wieder Prüfungen zu unterziehen, aber ich spürte: Es ist richtig so – mich faszinieren die eklatanten pastoralen Veränderungen und da will ich mich geistlich und fachlich einbringen.

Die Tätigkeit als Gemeindereferentin erweist sich als die für mich ideale Kombination von Lebensform und Beruf; beide lassen sich so nicht mehr trennen – und diese Mischung hatte ich seit meinen Begegnung mit den Ordensfrauen in Südafrika und Indien bewusst und unbewusst gesucht!

„Sie sind die inkarnierte Unruhe!“ Stimmt das?
Nein, wenn ich den inneren Frieden spüre, den ich durch meine Lebensentscheidung und meinen Beruf gewonnen habe!
Ja, wenn ich als Gemeindereferentin in den Gemeinden Bielefelds und in meiner Projektstelle „gastundhaus“ durchaus sehr unruhig immer wieder neue pastorale Wege ausprobiere.
Ja, wenn ich spüre, dass die Sehnsucht nach Gott stärker wird und mich immer neu in eine heilsame Unruhe versetzt. Möge mich diese Unruhe weiterhin begleiten!

 

Regina Beissel, Gemeindereferentin im PV Schildesche-Jöllenbeck, und Mitarbeiterin in der Projektstelle „gastundhaus“

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