05251 206-5400

„Ich denke, dass es jeder verdient hat, sich ein besseres Leben aufzubauen.“

Origami Divider
Origami Divider

Payam Sameni

Hallo Payam Sameni. Für dieses Interview waren wir auf der Suche nach einem Geflüchteten, der erst hier in Deutschland getauft wurde. So haben wir uns kennen gelernt. Stell Dich doch bitte den Lesern vor.

Mein Name ist Payam Sameni, ich bin 42 Jahre alt. Und wahrscheinlich nicht der Typ, den ihr gesucht habt. Ich bin zwar ein Flüchtling aus dem Iran und erst vor wenigen Jahren hier in Deutschland getauft worden, aber ich bin anders aufgewachsen und in den Glauben hineingewachsen als die meisten anderen Flüchtlinge.

Was meinst Du mit „anders“?

Nun, ich bin in Salzkotten geboren und dort recht liberal aufgewachsen. Mein Vater hat mein Interesse am katholischen Glauben unterstützt. Ich hatte Ordensschwestern als Lehrerinnen und irgendwie war alles um mich herum katholisch.

Als 14 Jähriger bin ich mit meinem Vater in dessen Heimatland, den Iran gereist. Erst im November 2015 konnte ich zurück.

Du durftest den Iran 24 Jahre nicht verlassen?

Ja, es gab Gesetze, wegen denen ich nicht ausreisen durfte. Ich hatte nur eine iranische Staatsbürgerschaft und man hat mich zunächst nicht ausreisen lassen, da man eine Gefahr sah, dass ich vor meinem Miltärdienst flüchten würde. Die Zeit war sehr schwer für mich. Ich sprach die Sprache nicht. Ich ging zur Schule und zurück – das war alles. Ich konnte mich nie wirklich einleben. Später habe ich im Bereich Import- Export von Küchensystemen gearbeitet.

Warum bist Du dann doch nach Deutschland gekommen?

Es war immer mein Ziel nach Deutschland zurück zu kommen, auch wenn ich mir auch im Iran etwas aufgebaut hatte. Irgendwann konnte ich zunächst mit einem Touristenvisium nach Deutschland reisen, später ein zweites Mal. Als ich ein drittes Mal mit einem Dreimonatsvisum nach Deutschland kam, durfte ich nicht mehr zurück. Das hatte ich nicht so geplant. Eigentlich hätte ich nochmal zurück gewollt um dann ein Dauervisum bekommen zu wollen, dass ich dann jährlich von Deutschland aus hätte verlängern können. Aber es ist anders gekommen.

Wie bist Du zur Taufe gekommen?

Auch das ist bei mir anders als bei vielen, die ich heute in der Taufvorbereitung begleite. Ich denke, dass es jeder verdient hat, sich ein besseres Leben aufzubauen. Zunächst hatte ich ein Problem damit, dass sich manche Taufbewerber nur taufen lassen wollen, damit sie nicht abgeschoben werden können. Aber die vielen, die ich mit auf die Taufe vorbereitet habe (Ich bin dort als Übersetzer aktiv und war schon oft Taufpate), haben alle wirklich zum Glauben gefunden. Das finde ich schön. Dafür kann ich mich einsetzen. Nicht jeder nutzt den Glauben für Asyl aus. Ich war einmal Taufpate, bei einem Mann, der in seinem Asylverfahren nie über seinen Glauben sprechen wollte oder diesen als Grund angeben wollte, obwohl in seinem Heimatland auf den Übertritt zum Christentum die Todesstrafe verhängt wird.

Und wie beginnt nun Deine Geschichte mit dem Christentum?

Damals vor 40 Jahren bin ich quasi katholisch aufgewachsen. Ich habe mich als Christ gefühlt, auch wenn ich als Moslem geboren war. Damals waren alle in meinem Umfeld ein wenig gläubiger. Ich fand Kirche einfach schön. Ich hatte schon damals in Büren im Internat die Idee, getauft zu werden. Mein Vater war ganz offen, aber er hatte Angst wegen der Todesstrafe im Iran und hatte es deswegen nicht erlaubt.

Im Iran habe ich gemerkt, dass der Islam gar nicht das Richtige für mich war. Das hat meinen christlichen Glauben bestärkt. Im Iran hatte ich syrische Freunde, die Christen sind. Mit denen konnte ich immer Gottesdienste besuchen. Im Iran ist es nicht verboten, Christ zu sein. Konvertieren ist das Problem. Irgendwie hatte ich dort aber wenig Angst. Ich war auch immer der einzige Moslem unter vielen Christen. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Moslems, die sich haben taufen lassen. Vor sechs oder sieben Jahren wurde die Kirche, in die ich gegangen bin, deswegen gestürmt. Mir hat die Kirche gefehlt. Da war immer etwas Schönes.

Und wie kam es dann, dass Du getauft worden bist?

Bei einem der Besuche in Deutschland hatte ich ein Treffen mit einem Diakon, der mich dann kurzfristig getauft hat. Nach meinem Bericht sagte er: „In meinen Augen bist du schon Christ.“ Ich hatte mich damit abgefunden mich als Christ zu fühlen, auch wenn ich nicht getauft war. Es ist etwas ganz besonderes für mich ein Teil der katholischen Kirche zu sein. Die Taufe war etwas Wunderschönes für mich. Jetzt fühle ich mich komplett.

Ich möchte zu anderen Gläubigen dazugehören. Im Iran fanden das alle spannend, aber sie hatten einen anderen Glauben und andere Werte. Ich fühlte mich fremd. Hier bin ich von Christen umgeben. Ich hatte schon als Kind eine starke Verbindung zum Dom. Ich gehen total gerne in die Kirche. Ganz oft, fast täglich gehe ich allein in die Kirche. Das zu leben, an das man glaubt, das ist das Recht eines jeden Menschen.

Du hast eben erzählt, dass Du Taufkurse begleitest…

Taufkurse sind für mich ganz wichtig. Ich gehe jeden Sonntag mit den Taufbewerbern und Neugetauften den Gottesdienst besuchen. Manchmal sind wir zu viert, manchmal mit 20 Personen. Sie schauen dann immer genau, was ich mache.
Auch darüber hinaus habe ich viele ehrenamtliche Aufgaben übernommen. Seit ein paar Wochen studiere ich nun Soziale Arbeit. Mit dem Studium habe ich einfach andere Möglichkeiten.

Ist das, was Du machst, Berufung?

Auf jeden Fall. Ich hatte die Zeit, die Lust, die Liebe, um all das zu tun, was ich getan habe. Nur als Beispiel: Es hat bis zum Entscheid endlos lange 22 Monate gedauert. So lange dauert das in Paderborn sonst niemals. Das war viel Zeit etwas zu machen. Ich sage, dass das alles der Wille Gottes war.

Lieber Payam, danke, dass wir dieses Interview mit Dir führen durften. Wir wünschen Dir alles Gute und Gottes Segen für Dein Studium und Deinen weiteren Lebensweg.

Weitere Glaubenszeugnisse

Material Design Shadow
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400
Fax. 05251 206-5600

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Erzbistum Paderborn
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn
Erzbistum Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400
Fax. 05251 206-5600

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Folge der Diözesanstelle Berufungspastoral auf Facebook
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400
Fax. 05251 206-5600

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Folge der Diözesanstelle Berufungspastoral auf Facebook
Erzbistum Paderborn