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„… bis Gott die Initiative ergriff.“

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P. Johannes Maria Poblotzki

„Kommt her, folgt mir nach! (…)
Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“ (Mk 1,17.18)

Wenn man diese Schriftstelle betrachtet, muss man, so denke ich, immer wieder neu in Verwunderung geraten. Wie bitte? Sie (die Jünger) verließen „mal so eben“ alles: ihren Beruf, der ihre Existenzgrundlage war, ihre Familie, ihr gewohntes Umfeld, ihre eigenen Zukunftsvorstellungen… und folgten Jesus nach. Und diese radikale Nachfolge, die ebenso ein Verlassen verschiedener legitimer und erfüllender Lebensbereiche impliziert, ist, wie wir gut wissen, nicht eine Nachfolge für ein paar Stunden, sondern eine definitiv getroffene, dauerhafte Entscheidung. Auf den ersten Eindruck scheint das eher wie eine Antiwerbung für Berufungen zu sein. Jedenfalls gibt es wohl kaum einen gewöhnlichen Werbetrommler, der mit solchen Worten auf Erfolg bauen könnte. Alles verlassen… Wie kommt ein junger Mann dazu? Und: Kann man damit glücklich werden?

Ich erinnere mich noch gut: Ich war 18 Jahre und trieb leidenschaftlich gern Sport. Mehr noch: Der Sport war nicht nur ein Teil meines Lebens, sondern er nahm mich voll und ganz in Anspruch. Ich liebte den Wettkampf und strebte nach dem für mich erstrebenswerten Ziel, möglichst hoch auf dem Siegertreppchen zu stehen. Verkürzt lautete meine Lebensphilosophie ungefähr so: „Das Glück liegt in deiner eigenen Hand! Mit genügend Training wirst du unschlagbar sein!“ Dazu war ich bereit, alles auf eine Karte zu setzen: Ernährungsberatung und Vitaminpräparate für eine Menge Geld, mehrere Stunden Training am Tag, dazu Massagen und Regenerationsprogramme, psychologische Kurse für die rechte Motivation, Kampfgeist und Entspannung, Videoanalysen des Trainings… für Freunde und Familie war keine Zeit, denn es gab nur eines: beim nächsten Mountainbikerennen erfolgreich zu sein. Im Wettkampf zählte nur eins: Ich musste um jeden Preis gewinnen! In der Zusammenfassung erscheint meine damalige Lebenssituation vielleicht etwas negativ.
Natürlich gab es auch viele positive Aspekte, die ich benennen könnte. Die Reisen in andere Länder und das Kennenlernen anderer Nationen und viele schöne Kontakte mit anderen Menschen sind nur einige, die mein Leben sehr bereicherten. Tatsächlich war ich jedoch in meiner sehr egoistischen Ich-Welt wie gefangen. Mit der Zeit wurde ich innerlich immer leerer und fühlte mich oft einsam. Ein unglaublicher Druck lastete auf mir, der mich sehr hart gegen mich und meinen Nächsten werden ließ. In gewisser Weise breitete sich eine Dunkelheit in meinem Leben aus… bis… bis Gott die Initiative ergriff.

Irgendwie ließ ich mich schon immer leicht für außergewöhnliche Dinge begeistern und so kam es, dass ich mich von jemandem mitreißen ließ, eine Wallfahrt zu einem marianischen Pilgerort zu machen. Ich erinnere mich noch genau an den Tag und die Stunde in jenem Moment der ersten Augustwoche 1990, als Gott in meinem Leben eine neue Bedeutung bekam. Plötzlich und ganz unerwartet traf es mich wie ein Schlag: In einem Augenblick sah ich mein Leben wie in einem Zeitraffer vor meinen Augen ablaufen und erkannte in meinem Lebenswandel eine große Sinnlosigkeit, so dass mir dicke Tränen in die Augen schossen: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ (Mt 26,16)

Diese Art Reue war gleichzeitig jedoch von einer starken spürbaren Gegenwart Gottes begleitet. Eine unendliche Wärme und Liebe erfasste mich in meinem ganzen Wesen. Auf wunderbare Weise erkannte ich, dass es Gott wirklich gibt, dass er um mich ganz persönlich weiß, dass er mich trotz meiner Fehler unendlich liebt und immer an meiner Seite ist. Diese Erfahrung wurde für mich eine absolute Gewissheit, die seit diesem Augenblick nie mehr von mir gewichen ist. Mit diesem Ereignis stieg in mir ein enormer Durst nach dem Gebet auf. Ich wollte in dieser Liebe verbleiben, ich wollte Gott näher kennen lernen, ich hatte ein großes Verlangen danach, mich mit ihm zu versöhnen, mit Gott, der bisher irgendwie keinen Platz in meinem Leben hatte.

Von diesem Moment an begann für mich mit langsamen Schritten ein ganz neues Leben. Zunächst brach meine frühere Leidenschaft wieder los: Noch einmal wollte ich Erfolg haben, noch einmal Deutscher Meister werden. Doch Gott hatte andere Pläne mit mir. Kurz vor der Meisterschaft wurde mein Fahrrad gestohlen, es folgten langwierige Verletzungen und verschiedene Niederschläge… Mit der Zeit entdeckte ich in mir eine recht erstaunliche Veränderung mit interessanter Wirkung. Je öfter ich mir Zeit zum Gebet nahm, desto weniger war es mir möglich, mich im Wettkampf hart gegen mich und die anderen zu verhalten. Mir ging, wie man sagt, der notwendige „Biss“ verloren, den man braucht, um in entscheidenden Situationen ein Rennen zu gewinnen. Und noch etwas: Der Sport war für mich bisher auch wie eine Art Ventil gewesen, um mich abzureagieren, wenn ich mal schlechte Laune hatte oder unausgeglichen war. Dieses Ventil verlor jetzt immer mehr seine Funktion. Ich brauchte das intensive Training nicht mehr so sehr zum Glätten meiner Stimmungsschwankungen, denn der Frieden, den ich im Gebet fand, schenkte mir auf andere viel tiefere Weise ein bisher ungekanntes Gleichgewicht.
So vollzog sich fast von alleine jener Prozess der Loslösung von meiner sportlichen Leidenschaft zur Verwandlung eines Lebens, in dem Gott einen bevorzugten Platz einnahm. Auch das Fernsehen, das Kino und das Ausgehen in die Diskothek verloren immer mehr ihre Anziehungskraft und erlangten die richtige Ordnung in meinem Leben, in dem Christus jetzt der Mittelpunkt war und nicht mehr ich und mein mir selbst gemachtes Glück. So vergingen ungefähr vier Jahre, bis in mir die Sehnsucht herangereift war, alles zu verlassen und mich voll und ganz Gott zu schenken.

Viele Jahre liegen jetzt schon zurück, seitdem ich in eine geistliche Gemeinschaft eingetreten und Priester geworden bin. Voll Dankbarkeit schaue ich auf das Werk Gottes, der mich in die Freiheit führte und mir einen Weg zeigte, wie ich glücklich werden könnte. So kann ich mit Paulus sagen: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.“ (Phil 3,13-14)

 

P. Johannes Maria Poblotzki
Gemeinschaft der Seligpreisungen, Bad Driburg

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