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„Es hat etwa 50 Jahre gedauert, bis ich an dem Platz angekommen bin, den Gott offenbar für mich gedacht hat.“

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Gaubenszeugnis Monika Herrchen

Monika Herrchen

Mein Name ist Monika Herrchen, Jahrgang 1956, als promovierte Chemikerin an einem Fraunhofer Institut tätig, das sich mit Fragen der Umweltsicherheit von Chemikalien befasst. Und ich bin eine virgo consecrata.

Das hört sich nach einem langen Weg und einer spannenden Lebenssituation an. Können Sie Ihren Weg ein wenig beschreiben?

So lange ich zurückdenken kann, war für mich klar, dass ich keine Familie gründen, sondern allein stehend leben möchte. Und schon früh hat mich die Idee erfüllt, mitten in der Welt stehend ein Leben der engen Bindung an Christus und des Gebetes für die Menschen, mit denen ich alltäglich im Kontakt bin, zu führen. Nur wie genau, das wusste ich lange nicht. Und so war mein Leben ein langer Suchprozess, der mich zunächst in ein Säkularinstitut führte. Später habe ich versucht, in einer neuen geistlichen Gemeinschaft meinen Weg zu gehen.

Wie haben Sie gespürt, dass dies nicht der richtige Weg war?

Nun, es war immer eine Unruhe und eine gewisse Unzufriedenheit in mir, die ich nicht genau benennen konnte. Ich hatte das Gefühl, noch nicht angekommen zu sein, sondern immer weiter gehen zu müssen.

Und wo genau sind Sie jetzt angekommen?

Ich bin seit nun fast 10 Jahren eine „virgo consecrata“. Das bedeutet für mich, mitten in der Welt ein Leben in enger Bindung an Christus zu leben.

Aber dann hat sich gegenüber früher doch nichts geändert?

Doch, sehr viel sogar, eigentlich alles. Ich habe dem Bischof verbindlich in die Hand versprochen, ein Leben der Christusnachfolge zu leben. Ich habe damit vor Zeugen zum Ausdruck gebracht, dass Gott für mich so real, so unglaublich präsent ist, dass er es mir wert ist, auf Ehe und Familie zu verzichten. Und der Bischof hat dieses Versprechen angenommen und mich bestärkt, indem er ein Weihegebet über mich gesprochen hat. Auf diese Weise bekam meine Entscheidung einen dialogischen Charakter und –sehr wichtig für mich – sie wurde verbindlich und gewissermaßen öffentlich.

Auf das Wort „öffentlich“ möchte ich gerne nochmal zurückkommen. Denn der Stand der virgines ist doch weitgehend unbekannt.

Eine Mitschwester von mir hat einmal gesagt: „die virgo gehört in die Krypta“. Das bedeutet also, ein Leben im Verborgenen zu leben. So halten es auch viele Mitschwestern von mir, ich persönlich bis jetzt auch. Der Grund für mich lag darin, dass der Verzicht auf eine partnerschaftliche Beziehung um Christi Willen heutzutage weitgehend auf Unverständnis oder sogar Ablehnung stößt. Aber gerade dieser Grund war für mich jetzt auch Anstoß, Zeugnis zu geben: In unserer Gesellschaft bleiben Beziehungen oft sehr unverbindlich. Ich habe jedoch die paradoxe Erfahrung gemacht, dass verbindliche Bindung frei macht. Aber die Spannung zwischen dem verborgenen Leben im Alltag und dem Zeugnis-Geben bleibt.

Wie darf ich mir Ihr Leben im Alltag vorstellen?

Nun, ich sehe mich als eine Frau, die in Spannungen lebt und dadurch zu einer Grenzgängerin wird. Ich gehe meinem naturwissenschaftlichen Beruf nach, versuche meinen Mitarbeitern wertschätzend zu begegnen, sorge mich um meine alte Eltern, betätige mich ehrenamtlich, ich gehe mit Freunden essen, und der „Tatort“ am Sonntagabend ist ein Muss. Ich unterscheide mich also in keiner Weise von meinen Nachbarn.

Gleichzeitig aber lässt mich meine Bindung an Christus ein Leben führen, das mich um Welten von meinen Nachbarn trennt. Meine Verbundenheit mit Christus lege ich nicht ab, wenn ich morgens das Haus verlasse, denn sie durchdringt mich ganz und permanent, gehört zu meiner Identität, die nicht auswechselbar ist. Und so sehe ich mich, so abgenutzt das Wort klingen mag, als eine Christusträgerin. Ich trage IHN in die Welt und an ihre Grenzen.

Das ist eine Spannung: für alle sichtbar und „normal“ in der Welt stehend und gleichzeitig eine verborgene Beziehung lebend, die zur leisen, äußerlich unbemerkten Begegnung zwischen IHM und denjenigen führt, mit denen ich in Kontakt bin. Das mag der LKW-Fahrer sein, der langsam vor mir herfährt, das mag der kranke Kollege sein. Durch ein Gebet, ein kurzes Gedenken entsteht Beziehung auf einer neuen Ebene.

Welche Gleichzeitigkeit gibt es noch?

Das Leben in der Welt ist nur möglich bei einem gleichzeitigen Rückzug aus der Welt. Ein Rückzug in die Stille, in die Zeit ausschließlich für Gott, in die Intensivierung der Christus-Beziehung, ein Rückzug, um einfach vor Gott da zu sein mit all dem, was mich beschäftigt und bewegt. Ich kann – was ganz wichtig für mich ist – meinen Rückzug verorten: das sind einmal äußere Orte der Stille, nämlich meine Gebetsecke in meiner Wohnung und die Benediktinerinnen-Abtei Mariendonk, der ich als Oblatin angehöre, das ist zum anderen ein innerer sicherer Ort. Rückzugsorte, um an meine Ressourcen zu gelangen und aus den Quellen zu schöpfen.

Und damit schließt sich der Kreis: Der Ort, an dem Gott mich habe möchte, ist er selbst.

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