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„Besonnenheit ist unsere Stärke“

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Michael Thiedig Portrait

Michael Thiedig

Wer bist du? 

Mein Name: Michael Thiedig, ich arbeite seit über 15 Jahren als Gemeindereferent im Erzbistum Paderborn. Mein Einsatzort ist der Pastoralverbund „Am Revierpark“, der sich aus den Gemeinden in den Dortmunder Stadtteilen Deusen, Huckarde, Kirchlinde und Dorstfeld zusammensetzt.

Was beschäftigt dich gerade?

Das erste, was mir angesichts dieser Frage durch den Kopf geht, sind die Terroranschläge und die immense Herausforderungen, die sich meines Erachtens für uns alle daraus ergeben. Ich hoffe sehr, dass sich Besonnenheit als unsere Stärke erweist, so dass wir es schaffen, eine Haltung einzunehmen und dadurch eine Stimmung zu erschaffen, in der sich Menschen nicht aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Religion kriminalisiert fühlen. Ich empfinde Respekt und Hochachtung vor Antoine Leiris, dessen Frau bei den Anschlägen in Paris durch Terroristen ermordet wurde und der sich mit einem offenen Brief an die Täter wandte. „Meinen Hass werdet ihr nicht bekommen.“ schreibt er dort und dass er seine Grundhaltung, seine Menschenfreundlichkeit und seine Toleranz nicht der Ignoranz der Terroristen opfern wird.

Diese Frage „was beschäftigt dich?“ hat hier in dem Zusammenhang der „Berufungspastoral“ sicherlich auch den Sinn, einen kleinen Einblick in den Berufsalltag eines Gemeindereferenten gewähren zu wollen.

Heute Vormittag habe ich mich mit einer Religionslehrerin eines Gymnasiums getroffen, um die weitere Zusammenarbeit zu besprechen. Es folgte eine Sitzung in der ich mit meinem Organisationsteam die nächste Erstkommunionvorbereitung geplant habe. Jetzt bereite ich grade einen Gottesdienst vor, der im Rahmen einer Wochenendfahrt mit Firmkatecheten stattfinden soll.

Was bedeutet es für dich, Gemeindereferent zu sein? 

Gemeindereferent zu sein, das bedeutet für mich, einen Beruf auszuüben, der mich wirklich unglaublich erfüllt. Die Vielfältigkeit der Aufgaben, die mir mein Beruf bietet, mag ich sehr. Das bezieht sich einmal auf die Menschen, mit denen ich arbeite – ich arbeite mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – und auch auf die unterschiedlichen Themen, die im Rahmen meiner Arbeit eine Rolle spielen: Die Spannbreite reicht von Beisetzungen und Trauerbegleitung bis hin zur Planung und  Durchführung von Fahrten oder Klettern mit Firmbewerbern im Klettergarten. Und immer wieder geht es mir darum, Menschen Hilfestellung zu geben, dass sie sich den Glauben als etwas erschließen können, das ihnen gut tut, das ihnen hilft, erfüllt leben zu können, das sinnstiftend ist und mit guter Lebensqualität zu tun hat. Damit bin ich ihnen – so denke ich – behilflich, dass sie für sich einen Halt entdecken können, der auch dann noch funktioniert, wenn in sehr herausfordernden Lebenssituationen sonst alles wegbricht, was bislang Halt verschaffte.

Welche Bedeutung hat Gebet für dich?

Gebet bedeutet für mich:

  • sich treffen lassen von Gottes grandioser Liebe
  • den Versuch unternehmen, diese Liebe bis in die letzte Faser der eigenen Existenz dringen zu lassen
  • … sich eintunen auf Gottes Idee
  • Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen
  • anderen uneingeschränkt gut zu wollen

Was heißt Berufung für dich? 

Von einem Berufungsmoment oder einer Berufungserfahrung kann ich nicht erzählen. Fühle ich mich dazu berufen, Gemeindereferent zu sein? Das würde ich so eigentlich gar nicht sagen. Wenn ich das Wort „Berufung“ überhaupt verwenden wollen würde, dann eher, um zu beschreiben, dass ich mich sehr stark dazu hingezogen fühle, bestimmte Themen des Glaubens zur Sprache zu bringen, um damit Menschen zu unterstützen, dass sie für sich den Glauben so definieren können, dass er für sie wirklich lebensdienlich und lebensbereichernd wird und eine echte Relevanz erhält .

Wie bist du deiner Berufung auf die Spur gekommen?  

Da ich vermute, dass es bei dieser Frage in erster Linie darum geht, davon zu berichten, wie es dazu kam, dass ich Gemeindereferent werden möchte, möchte ich zuerst darauf eingehen.

Allerdings möchte dann lieber von „Berufswunsch“ und nicht von „Berufung“ sprechen. Eigentlich wollte ich Maschinenbauingenieur werden. Um das zu werden, habe ich eine Ausbildung in diesem Bereich absolviert und die Fachoberschule für Metall- und Elektrotechnik abgeschlossen, um mich für das Maschinenbau-Studium zu qualifizieren.

In der Zeit meiner Berufsausbildung hatte ich nachmittags viel Zeit, die ich für die kirchliche Jugendarbeit meiner Heimatgemeinde genutzt habe – Messdiener KJG-Gruppenleiter usw. In einer Jugendbildungsstätte, in der ich meinen Zivildienst geleistet habe, habe ich mehrmals die Gelegenheit erhalten, in dem Leitungsteam mitzuarbeiten, das sogenannte „Tage religiöser Orientierung“ für Schulklassen der Jahrgangsstufe 10 angeboten hat. In dieser Zeit wurde mir sehr klar, dass ich in so einem Bereich arbeiten und mich für diese Aufgabe qualifizieren möchte.

Da ich in der Beantwortung der Frage, was Berufung für mich heißt, die Aufmerksamkeit ja auf ein anderes Thema als die Entstehung eines Berufswunsches gelenkt habe, möchte ich auch beschreiben, wie ich dem Wunsch auf die Spur gekommen bin, den Glauben zu hinterfragen und für mich neu definieren zu wollen. Viele Arten und Weisen, wie in meiner Heimatgemeinde (im Sauerland) Glaube für mich präsent war, empfand ich irgendwann als unfassbar hohl und nichtssagend. Ich hatte allerdings das sichere Gefühl, dass der christliche Glaube mehr in sich birgt, als ich bislang erlebte oder vermittelt bekommen hatte. Bei dem Neudefinieren meines Glaubens halfen und helfen mir mein Studium, Bücher von interessanten Menschen, Kontemplative Exerzitien, eigene Erfahrungen, Austausch mit Menschen auch aus aller Welt in Taizé, … und es gelingt mir mehr und mehr, Glaube neu und anders zu verstehen. Da ich im Kontakt mit vielen Menschen merke, dass sie sich ähnliche Fragen stellen wie ich, dass sie bestimmte Vorstellungen satt haben und mit starker Sehnsucht nach echter und tragender Spiritualität suchen, möchte ich selber nicht aufhören, weiter zu suchen und ihnen von meinen Erfahrungen und Einsichten berichten.

Was erhoffst du dir für die Zukunft?

Im Blick auf das Weltgeschehen erhoffe ich mir, dass die Einsicht von Bertha von Suttner Anhänger findet:

„Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden.“

Im Blick auf das Suchen und Finden neuer Wege und Haltungen in der Kirche, hoffe ich, dass wir die Aussage von Albert Einstein beherzigen:

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten lassen zu wollen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Welchen Rat gibst du jungen Menschen, die in Erwägung ziehen, Gemeindereferent zu werden?

  • Unterhalt dich mit jemandem, der diesen Beruf ausübt
  • mach ein Praktikum, schau dir den Berufsalltag eines Gemeindereferenten an
  • studiere … und das am besten länger als „üblich“
  • sammle Erfahrungen
  • mach Exerzitien

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