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„Menschen haben mir vorgelebt, worum es im Leben wirklich geht.“

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Julia Brodersen

Wie kommt man dazu, Religionspädagogik studieren und in der Kirche arbeiten zu wollen, wenn man in einem Umfeld mit weniger als 5 % Katholikenanteil aufwächst? Diese Frage stellten mir Freunde und Kollegen immer wieder, wenn sie hörten, dass ich aus Schleswig-Holstein komme.

Ja, wie kommt man eigentlich dazu? So ganz genau weiß ich das auch nicht. Sicherlich war es das Zusammenkommen verschiedener Aspekte, die mich diesen Weg einschlagen ließen: Als Tochter einer sogenannten konfessionsverbindenden Ehe lernte ich von klein an sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche kennen. Glaube und Kirche spielten in meiner Familie eine wichtige Rolle, auch wenn das noch lange nicht hieß, dass wir jeden Sonntag in die Kirche gingen. In meinen ersten Kinderjahren überwog der Kontakt zur evangelischen Kirche: Im Dorf, in dem ich meine Kindergarten- und Grundschuljahre verbringen durfte, gab es nur eine evangelische Kirche. Es war selbstverständlich, dass ich dort zur „Jungschar“ ging und mich an der Krippenfeier am Heiligabend etc. beteiligte. In meiner Grundschule gab es keinen katholischen Religionsunterricht. Also nahm ich am evangelischen teil.

Erst durch die Erstkommunionvorbereitung – die übrigens in einer zehn Kilometer entfernten Kleinstadt stattfand – bekam ich wirklichen Kontakt zu meiner katholischen Kirchengemeinde. Dort gab es plötzlich andere katholische Kinder und ich war mal nicht mehr „die Einzige“. Die Gruppe wuchs über das Dreivierteljahr der Vorbereitung so gut zusammen, dass wir uns nach der Erstkommunion weiter trafen. Vielleicht merkten wir damals ja schon, dass es uns auch mal gut tat, nicht „die Einzigen“ zu sein, sondern eine Gemeinschaft.

Später zogen wir in eine Kleinstadt, wo die nächste Kirchengemeinde mit dem Fahrrad zu erreichen war und es katholischen Religionsunterricht gab – zwar klassen- und schulenübergreifend, aber es gab ihn. Schnell wuchs ich durch den Kinderchor, eine Gruppenstunde für Jugendliche, später die Firmvorbereitung und den Lektorendienst in die Kirchengemeinde hinein. Auch wenn die Gemeindemitglieder über eine Region von ca. 50 Kilometer verstreut lebten, kannte man sich gut. Es war eine enge Gemeinschaft, in der ich mich wohl fühlte. Besonders die Zeit bei den Pfadfindern war für mich prägend. Dort konnte ich so sein, wie ich war. Die gemeinsamen Erfahrungen, Gespräche und nicht zuletzt religiösen Impulse waren für mich in dieser Zeit sehr wichtig.

Zugleich spielte der Religionsunterricht auch eine bedeutende Rolle: Mein Religionslehrer, der mich von der fünften bis zur dreizehnten Klasse begleitete, bot uns im Religionsunterricht einen Raum, in dem all die Dinge, die uns beschäftigten, die wir in Frage stellten, nach denen wir suchten, zur Sprache kommen konnten. Die intensive Auseinandersetzung und Begleitung weckte mein Interesse für ein Mehr.

So entschied ich mich, nach dem Abitur und einem Jahr in Schweden nicht – wie zunächst immer gedacht – BWL zu studieren, sondern Religionspädagogik. Im Nachhinein die wohl beste Entscheidung in meinem bisherigen Leben! In meinem Semester kamen Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen zusammen, die jedoch alle das gleiche bewegte. Die Tiefe der Gespräche, die vielfältigen Angebote im spirituellen Bereich und das starke Wir-Gefühl waren eine so prägende Erfahrung, dass mich jetzt noch eine Gänsehaut (im positiven Sinne) überkommt, wenn ich daran zurückdenke.

Nachdem ich noch zwei Jahre lang Erwachsenenbildung/Weiterbildung studiert habe, arbeite ich inzwischen als Referentin im Bereich missionarische Pastoral und pastorale Vernetzung beim Bonifatiuswerk in Paderborn. Die Diaspora-Erfahrungen, aber vor allem auch die intensive Zeit des Studiums, sind für meine Arbeit wichtig, und so kann ich Gott nur danken, dass er mir immer wieder Menschen an die Seite gestellt hat, die mir vorgelebt und gezeigt haben, worum es im Leben wirklich geht.

Ich bin froh, dass ich heute einen Beruf ausübe, mit dem ich dazu beitragen kann, dass weitere Menschen solche Erfahrungen machen können.

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