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„Mein Glaube – ein Stück weit den Himmel auf die Erde holen …“

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Christian Jakob

Hallo, Herr Jakob, bitte stellen Sie sich kurz vor!

Nun, man stelle sich 172 cm Mensch vor, geboren im „Summer sixteenine“: Alltagsgesicht, Alltagsbrille, Alltagsjeans. Damit kommen wir der Sache schon mal ein Stück näher. Die entscheidenden Dinge sind eher Innenansichten: Seid 17 Jahren in einer festen Beziehung, 13 davon im Stand der Ehe, zwei richtig klasse Jungs daraus hervorgehend und jetzt seit 11 Jahren Wurzeln geschlagen im feinen kleinen Dorf Etteln. Das Geld wird mit Lehr- und Leitungstätigkeiten in der Grundschule rangeholt und zum Zeitvertreib gibt es viel Musik, recht große Carreraautos und irgendwie hier und da überall ein bisschen mitmischen.


Sie sind ehrenamtlich als PGR-Vorsitzender in Ihrer Pfarrgemeinde aktiv. Warum machen Sie das eigentlich?

Ehrenamtlich mache ich das eigentlich gar nicht. Ehrenamtlich arbeite ich im Vorstand in einem Förderverein einer nahegelegenen Realschule mit. In Sachen PGR – Vorsitz und den vielen anderen kleinen Tätigkeiten, die sich so in meinem Leben in Sachen Glauben eingeschlichen haben und für die ich mich verantwortlich fühle, ist die Arbeit im PGR für mich Ausdruck gelebten Glaubens. Ein Glauben, begrenzt auf den Sonntag, die Messe oder eingeschränkt in Institutionen, ist für mich zu flach, der dünstet im Sonnenschein unserer Glitzerwelt aus. Glauben gehört viel mehr in den Alltag. Schon in der Kinder- und Jugendarbeit, in der ich in allen möglichen christlichen Gruppen, die es vor Ort damals gab, mitgearbeitet habe, war mir die Frage nach der Fahnenfarbe und den Gruppenregeln zweitrangig. Damals habe ich folgenden Gedanken aufgegriffen, der mich nachhaltig verändert hat: Wenn dein Leben morgen endet, was wäre dann noch heute wichtig zu tun, bzw. zu denken und zu sagen?Daraus resultiert meine Einstellung. Und natürlich bin ich mir inzwischen klar, dass es Institutionen, Rechte und Gesetze gibt, die die Arbeit strukturieren, manchmal vereinfachen, aber das Ziel der Arbeit und der Grund jeglichen Eifers bleiben für mich: Ich möchte er erreichen, mir immer wieder selbst morgens und abends gerade in die Augen sehen zu können. Ich möchte keinen Fensterplatz im Himmel oder so, da lass ich mich mal ganz nett überraschen, was mich da erwartet. Es ist doch ein hohes und erstrebenswertes Gut, (und ein richtig gutes Gefühl) wenn ich mit innerer Freiheit und mit Unabhängigkeit den Einsatz meiner Zeit und meiner Manpower hier und jetzt so gestalten kann, wie ich es, auch mit allen Unzulänglichkeiten, vertreten kann.Es bleibt der Gedanke, ob da nicht auch der Blick auf die Gemeinde eine Motivation sein könnte. Das denke ich aber nicht, denn ich vertraue darauf, dass ich wohl hier an dieser Stelle sein soll und nirgendswo anders, sonst wäre ich ja auch woanders. Der Ort, wo ich christlich arbeiten kann, der ist überall gleich wichtig und deswegen ist er immer genau dort richtig, wo ich gerade bin.

Also, Glauben leben und lieben, das wäre die Faustformel auf diese Frage.

 

Wie wichtig ist ehrenamtliches Engagement in der Kirche aus Ihrer Sicht? In welche Richtung muss sich noch mehr entwickeln?

Gerade habe ich für meine Person ja dargestellt, Ehrenamt gibt es so für mich nicht. Ich weiß aber, dass viele Menschen sich „ehrenamtlich“ aus ihrer Sicht in Glauben und Kirche einbringen. Das ist sehr wichtig und bedeutsam, ein hohes Gut und einer der wichtigen und schützenswerten Schätze des Christentums. Ich spüre bei ganz vielen Menschen, dass sie ihre Arbeit gerne und mit hoher Hingabe tun. Wohin sich das weiterentwickeln sollte? Immer in Richtung Authentizität. Das reicht eigentlich. Ganz einfach deshalb, weil Jesus Christus als Mensch und als Gott konsequent authentisch war, ist und sein wird. Gehe ich ganz fest von aus.Allerdings muss ich an dieser Stelle auch durchaus Punkte benennen, die sich von Seiten der Kirche ändern müssen, damit Ehrenamt die gestellten Aufgaben besser bearbeiten kann. Es gibt viel zu viele Mauern in der Kirche: Als Mann kann ich ganz andere Wege in Kirche beschreiten, als das eine Frau kann. Als Laie kann ich mich über manche kirchliche Entscheidungen, die wenig bis nichts mit meinen Einsatz und den von vielen Laien vor Ort zu tun haben, nur ärgern und sie hinnehmen. Im besten Fall reißen sie nicht ein, was vor Ort aufgebaut ist oder gerade mühsam auf den Weg gebracht worden soll. Da wird Ehrenamt von der Gesellschaft hinterfragt, obwohl es mit diesen Dingen wenig bis gar nichts zu tun hat.Eine Methode für mich damit umzugehen, ist es, immer wieder zwischen Glauben und Kirche zu trennen. Mag theologisch falsch sein, aber wie soll ich vieles denn begründen, was Ehrenamt kaum ändern kann: verschlossene Kirchen (oder soll man lieber schon von klerikalen Museen sprechen), Umgang mit politischer und geistlicher Macht und Einsatz der enormen Geldreserven, Umgang mit Rechtsbrüchen und letztendlich die Frage: Was predigt Kirche, was lebt sie dann auch selber davon?Da bleibt meiner Meinung nach nur dem Ehrenamt, authentisch zu sein. Damit ist man zwangsläufig ein Stück weit einer inneren und äußeren Zerrissenheit ausgeliefert. Diese auszuhalten, bzw. sich ihr immer wieder neu zu stellen, ist ein wichtiger Weg der Weiterentwicklung des Ehrenamtes, dann kann noch viel getan werden.

Aber auch der Blick ins Ehrenamt ist nicht nur reine Freude: Ich habe in den sehr vielen Jahren meiner Mitarbeit in Kirche, und das sind bald 40 Jahre, so viel an Missgunst, Neid, zwanghaften Ernst, Zuständigkeitsgerangel und falschem Stolz erlebt, dass ganz oft unterm Strich nur Frust übrigblieb. Und dann noch diese unsägliche Angst vor fremden Menschen, die vielleicht mal wieder zurück in unsere Kirche kommen und natürlich erst mal ganz anders so sind, als man es sich so wünscht.
Da frage ich mich, warum das bei gläubigen Menschen so komisch besetzt ist, die doch die befreiende Botschaft Jesu Christi auf ihre Fahnen geschrieben haben? Da ist, wie man so schön sagt, noch Luft nach oben.
Nehmen wir es doch wörtlich und wenden den Blick nach oben ins Himmlische, statt rechts und links irdische Spitzfindigkeiten zu thematisieren.

Und ein letztes Feld der Weiterentwicklungsgebiete möchte ich noch benennen: Die nicht immer gute Kommunikation der Gläubigen. Nach innen, wie nach außen hin, da passieren so viele Kommunikationsfehler, aber auch Chancen werden gar nicht oder zu wenig genutzt. Auch da könnten wir vom Puls unserer Zeit lernen und uns besser, auch ehrlicher verkaufen, als das oft der Fall ist.
Also, authentisch sein, die frohe Botschaft leben und gut davon erzählen, das sind ganz wichtige Zukunftsfelder der weiteren Entwicklung.

 

Was bedeutet Ihnen Ihr Glaube?

Dieses Bild, ein Stück weit den Himmel auf die Erde zu holen, das hat mich doch schon sehr gepackt. Warum in die Zukunft träumen, wenn ich hier und jetzt schon Himmel mit aufbauen kann.Das ist oft Arbeit im Kleinen mit Ergebnissen von nicht allzu großer Dauer und manchmal schwer erkämpft. Aber dann ist es für eine Zeitlang auf der Erde himmlisch zu leben. Und dann zeigt sich der Glaube als das, als das ich ihn verstehe, nämlich dass Gott Liebe ist. Nicht mehr, nicht weniger. Daraus ergibt sich so viel.Ein Beispiel: Mit einigen Kindergarten- und Grundschulkindern besuchen wir zweimal im Jahr die Älteren und die Kranken in unserer Gemeinde. Da machen die Kinder mit einem ehrlichen Ernst mit (obwohl dabei auch gelacht wird) den ich sehr bewundere. Da spüre ich, dass Gottes Liebe aufblüht. Das sind Momente, die sind unbezahlbar und wertvoll für mich. Das ist ein sehr echter Glaube, nicht verkopft, nicht verkrampft, sondern mitten im Leben stehend.Ohne solchen Glaubenserfahrungen wäre mein Leben beängstigend leer.

 

Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr in Ihrer Gemeinde am meisten?

Einerseits gäbe es da jetzt so viele Dinge zu nennen, denn ich freue mich fast immer auf alles, was so kommt und passiert und wie es sich oft so wunderbar in der Gemeinde entwickelt. Es ist für mich sehr erfreulich, wenn ich dann auch sehe, wie die Menschen in unserem PGR so super aktiv sind, sich von Ideen begeistern lassen und dann auch so viele gute Dinge einbringen. Diese Freude ist sehr schön und nachhaltig für mich.Andererseits gibt es da eine Sache, mit der ich mich derzeit schon besonders intensiv, gerne und ausgiebig beschäftige: Drei ganz nette Menschen und ich machen seit 2-3 Jahren Musik miteinander und für die Menschen vor Ort. Wir spielen in Gottesdiensten, mehrmals schon am Weißen Sonntag, aber auch beim Parkfest im Dorf, wo alle Musiker jährlich zum unkomplizierten Mitmachen eingeladen sind. Wir spielen die Musik, die wir schön finden. Schwerter Liederbuch rauf und runter, Gotteslob, Stücke aus dem Radio, die uns berühren, aber auch eigene Lieder, die wir schreiben. Und das ist Teil unserer Gemeinde, Teil unseres Lebens und Teil unseres Ausdrucks dafür, was Glauben ist. Und am allermeisten: eine richtig gute Gemeinschaft von uns vieren.„himmelsGOLD“ heißt die Band, die sich inzwischen auch im Internet tummelt. Diese Musikwelt mit und aus dem Glauben, ist ein Quell schöner Momente, guter Gespräche, einfach etwas, worauf ich mich ganz viel freue.


Christian Jakob, Etteln

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