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„Mit Gott auf Du – Gespräche bei einer Tasse Tee“

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Antje Thielpape

Wenn ich nach einem genauen Zeitpunkt meiner Berufung zur Ordensfrau gefragt werde, kann ich sagen: bei einer Tasse Tee, die ich eigentlich „nur so“ bei Gott in der Kapelle trinken wollte.

Da ich aus Oldenburg in Norddeutschland komme, hat Tee trinken für mich einen besonderen Stellenwert. Die besten Gespräche ergeben sich häufig bei einem Pott Tee. Auch Gespräche mit Gott. Da rede ich mit ihm wie eben mit einem Freund (diesen Ausdruck benutzten schon der Hl. Ignatius v. Loyola und die Hl. Teresa v. Avila).

Zu Beginn meines Lebens hat wohl kein Mensch überhaupt daran gedacht, dass ich jemals Ordensfrau werden würde. Ich bin ev.-luth. getauft und war in der Kinder-und Jugendarbeit meiner Gemeinde tätig.

Während des Studiums (Sozialwesen) in Ostfriesland entfernte ich mich von der ev.-luth. Kirche. Nach dem Studium fand ich schließlich eine Arbeit im Altenheimbereich und zog nach Dortmund. Gott interessierte mich nicht mehr so sehr.

Doch durch die Diagnose einer Art der Leukämie kam wieder die Frage nach Gott in mein Leben und vor meiner Blutstammzellenübertragung fuhr ich nach Taizé. Ich war sehr angerührt: So wollte ich auch in Dortmund weiterbeten und begab mich auf die Suche. Fündig wurde ich im Haus der Stille; das Haus, das von meiner Gemeinschaft geleitet wird. Häufig saßen die damalige Leiterin und ich noch nach dem Taizégebet zusammen (auch bei Tee) und redeten miteinander. Eine meiner ersten Fragen war: „Wie lebe ich als Christin mitten in der Welt?“ (ohne zu wissen, dass das ein Hauptmerkmal unseres Ordenslebens ist).

Nach der Blutstammzellenübertragung konnte ich dann die Schönheit der Eucharistiefeier erleben. Durch die Teilnahme an einer Gebetsgruppe entstand eine neue Beziehung zu Jesus und irgendwann war dann der Wunsch da, Jesus Christus in der Kommunion zu empfangen. Nach der Aufnahme in die kath. Kirche und der Erstkommunion reichte mir das nicht: ich wollte „mehr“. Also wurde ich gefirmt. In die Freundschaft mit Gott schlich sich immer mehr die Liebe ein.

Und dann kam der besagte Tag, den ich anfangs erwähnt hatte: ich saß in der Kapelle mit einem Tee und plötzlich hörte ich innerlich eine Stimme, die leise fragte: „Warum fragst du denn nicht, ob du eintreten kannst?“ Das war zuerst wie ein Schock für mich, aber es wirkte stimmig. Und nach kurzem Zögern fragte ich dann die verantwortliche Schwester, erhielt aber die Antwort, dass ich noch warten solle, um mich in das Leben als Katholikin einzuüben. Zwei Jahre später war es dann soweit: ich konnte in den Orden „Gesellschaft der Töchter vom Herzen Mariä“ eintreten. Seitdem sind 12 Jahre vergangen, und ich habe es nicht bereut. In unserer Gemeinschaft wird das Gespräch mit Gott sehr gepflegt, so sitze ich u.a. jeden Abend mit oder ohne Tee und reflektiere mit Jesus meinen Tag. Aus dem Gebetsleben heraus bekomme ich die Kraft, für die Menschen da zu sein und ein offenes Ohr für die Menschen zu haben, die zu uns kommen. Natürlich auch manches Mal bei einem Tee.

In unserer Gemeinschaft tragen wir keine Tracht, sondern leben unauffällig mitten in der Welt, gehen einem zivilen Beruf nach und leben hier in Deutschland überwiegend alleine. Beides waren für mich wichtige Kriterien, das wichtigste war/ist: Gott suchen und finden in allen Dingen (typisch ignatianisch). Und das Erleben, dass Gott sich finden lässt und mir sogar entgegenkommt, um mich abzuholen.

Die Erfahrung, dass Gott einen da abholt, wo er/sie steht, habe ich im Laufe der Zeit immer wieder gemacht. Die Berufung zum Christsein war der Anfang, herausgekommen ist bei mir das Leben als Ordensfrau und ich erlebe, dass Gott mich immer wieder neu herausruft, mir neue Herausforderungen gibt, die ich mir vor 10 oder 5 Jahren niemals zugetraut hätte. Gott kennt mich so viel besser als ich und weiß, was er mir zumuten kann. So wird es niemals langweilig mit ihm. Es ist ein großes Abenteuer, dieser Weg. Da tut es dann gut, mal Innezuhalten und eine Tasse Tee zu trinken.

 

Antje Thielpape FCM, Dortmund

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