05251 206-5400

„… das Spannende, Lebendige und erfrischend Unfertige des Christseins: offen zu sein für die Anregungen des Heiligen Geistes“

Origami Divider
Origami Divider

Andrea Keinath

Wenn ich darüber nachdenke, was Berufung für mich bedeutet, fallen mir verschiedene Momente ein, die zu Weichenstellungen wurden für meinen Lebensweg.

Als erstes nach dem Abitur die Frage nach der Berufswahl bzw. dem Studium. Ich hatte verschiedene Ideen im Kopf, aber nichts hat so richtig „gezogen“ – also hab ich mir ein halbes Jahr Zeit genommen, um zu einer Entscheidung zu finden. Meine Mitschüler waren sich sicher, dass ich Theologie studieren würde, da ich meinen Glauben sehr ernst nahm, aber Titel wie „Berufskatholikin“ (so stand’s in der Abizeitung) wehrte ich mit meinem Standardspruch ab: „Ich möchte meinen Glauben nicht zu meinem Beruf machen.“ Als ich dann mit einer Freundin, die auch noch unentschlossen war, ein Buch zur Studien- und Berufswahl durchblätterte, hat es dann doch „gezündet“ – und zwar bei den Seiten zum Theologiestudium. Gemäß der Einsicht von Pascal „Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt“ habe ich dann auf mein Herz gehört und mit dem Studium der Theologie begonnen – und darin meine Leidenschaft und meine Berufung gefunden.

Ähnlich erging es mir auch zum Ende des Studiums bei der Frage des Berufseinstiegs. Den klassischen Weg zur Pastoralreferentin hatte ich nicht eingeschlagen und war betenderweise gerade dabei, andere Optionen zu prüfen. Da erhielt ich von Bekannten den Hinweis auf die ausgeschriebene Stelle einer Diözesan-Jugendreferentin in einem benachbarten Bistum. Obwohl ich nicht in der Jugendverbandsarbeit großgeworden war und religiöse Kinder- und Jugendarbeit nicht direkt zu meinen Zukunftsplänen gehörte, sprang mein innerer Sensor sofort darauf an und zugleich kam mir mit Nachdruck ein Vers aus der Berufungsgeschichte des Jeremia in den Sinn: „Wohin ich dich sende, dahin sollst du gehen.“ Ich war mir sicher, dass dort mein Platz war – und meine Bewerbung hatte dann auch Erfolg.

Aus eigenem Antrieb hätte ich mir das Feld der Jugendpastoral nicht ausgesucht, schon gar nicht eine Aufgabe auf Diözesanebene. Ich wäre wahrscheinlich in Aufgabenfeldern geblieben, denen ich mich von vornherein gewachsen fühlte. Aber der Eindruck, gerade dorthin gerufen zu sein, war so stark, dass ich mich dem nicht entziehen konnte und wollte. So wurde ich in den Jahren der Jugendarbeit mit vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert, die schlummernde Talente bei mir geweckt und mich weitergebracht haben.

Auch die Wahl meiner Lebensform habe ich als Berufung erlebt. Nachdem ich während des Studiums einmal testweise drei Tage in einem sehr sympathischen Frauenkloster verbracht hatte, war mir klar, dass dies nichts für mich wäre. Also klare Option Ehe und Familie. Damit war aber noch lange nicht klar, wer denn der Auserwählte sein sollte. Als ich dann meinen späteren Mann kennenlernte, stellte sich ein tiefes Gefühl des „Angekommenseins“ ein, das sich nur schwer beschreiben lässt. Besonders wertvoll daran war mir die Erfahrung, dass Gott nicht irgendwie allgemein in eine Lebensform beruft, sondern konkret mich sieht und meint und ebenso meinen Mann und unsere Beziehung so ein starkes Fundament hat.

Neben dieser Berufung im engen Sinn besteht für mich das Spannende, Lebendige und erfrischend Unfertige des Christseins darin, offen zu sein für die Anregungen des Heiligen Geistes, der auf Verwandlung und Erneuerung aus ist – im persönlichen Leben, in Kirche und Gesellschaft.

Ich versuche jedenfalls die großen und täglichen kleinen Entscheidungen, die ich zu treffen habe, als Teil meines Lebens mit Gott zu begreifen und in Ereignisse oder Begegnungen hineinzuhören, um darin zu erkennen, was hier und jetzt für mich „dran ist“. Der noch ganz „frische“ Selige John Henry Newman hat einmal gesagt: „Denken kann jeder, aber um wahrzunehmen, braucht es ein geschultes Auge.“ Als Schulung für Auge und Gehör kann ich neben Gottesdienstbesuch und Sakramenten vor allem das persönliche stille Gebet und das Lesen der Bibel empfehlen. Und natürlich die ernstgemeinte Bitte um Wegweiser. Die zeigen wohl ab und zu in eine andere als die erwünschte Richtung – ihnen trotzdem zu folgen macht aber auf Dauer glücklich.


Andrea Keinath, Mentorat für Lehramtsstudierende mit dem Fach Katholische Religion

Weitere Glaubenszeugnisse

Material Design Shadow
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Erzbistum Paderborn
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn
Erzbistum Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Folge der Diözesanstelle Berufungspastoral auf Facebook
Wort-Bild-Marke Berufungspastoral Paderborn

Leostraße 21
33098 Paderborn

Tel. 05251 206-5400

berufungspastoral@erzbistum-paderborn.de

Folge der Diözesanstelle Berufungspastoral auf Facebook
Erzbistum Paderborn