Im Wald

Als junger Erwachsener habe ich bei einer umweltpädagogischen Fortbildung mit einem Klemmbrett, Zettel und Bleistift zwei Stunden im Wald auf einem Holzstumpf gesessen. Die Aufgabe war damals, eine Geräusch-Landkarte anzufertigen – mit mir als Zentrum. Welche Geräusche höre ich; wie nah oder fern sind sie zu mir; auf welche Art und Weise kann ich sie verbildlichen? Das war eine super spannende Erfahrung. Es ist im Wald total still und dennoch wahnsinnig laut.

Am Ende der Übung haben wir mit mehreren Menschen, die im gleichen Waldstück saßen, versucht aus unseren Einzelkarten eine gemeinsame große Karte zusammenzulegen. Das klang ungefähr so: „Ach, du hast links etwas gehört, wie einen Fluss … den habe ich auch gehört; der lag vor mir.“

Heute als Erwachsener klingt es fast abstrus, mir mal zwei Stunden Zeit zu nehmen um zu lauschen. Und das, obwohl ich die Erfahrung als so spannend und wertvoll in Erinnerung habe, dass sie noch mehr als 20 Jahre später präsent ist. Heute versuche ich höchstens noch die Geräusche in mir zu deuten: was da alles knackt, gluckert und nagt…

Vielleicht sollte ich mich doch mal wieder in den Wald setzen.

Meine Einladung an Sie: erstellen Sie eine Geräuschlandkarte von dem, was Sie um sich hören und vielleicht auch von dem, was Sie in sich hören!

 

Johannes Schäfers
Referent der Diözesanstelle Berufungspastoral & Gemeindereferent im Pastoralverbund Paderborn Mitte-Süd

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