Der Schneeleopard. Hören in die Stille

Neulich habe ich das Buch „Der Schneeleopard“ von Sylvain Tesson gelesen. Es ist ein gutes Buch für Winterabende. Aber es passiert äußerlich eigentlich nicht viel. Es ist ein Denkanstoß, die eigene Wahrnehmung zu schulen und „richtig“ hinzuhören oder hinzusehen: sich nicht einlullen zu lassen in irgendwelche Illusionen über sich selbst und das Leben. Und auf die innere Stimme zu hören, das Getöse um sich herum nicht mit der Stimme Gottes zu verwechseln.

Gemeinsam mit dem Fotografen Vincent Munier reist Tesson nach Tibet, um sich auf die Suche nach einem der seltensten Tiere der Erde zu machen, dem Schneeleoparden. Die Reise wird zur Herausforderung: In der weißen Wüste des Himalaya-Gebirges zeigt sich der Leopard den Männern zuerst gar nicht. Tagelang sehen sie nur seine Spuren im Schnee. Er selbst bleibt unsichtbar – trotz aller Anstrengung. Aber sie wissen: Er ist da.

Vielleicht hat so eine Geschichte ihre eigene metaphysische Tiefe. Und vielleicht hat so ein Schneeleopard mit seiner Schönheit und seiner heimlichen Lebensart auch seine Botschaft für uns: Werdet still, seid geduldig, achtsam, wach, konzentriert – verpasst nicht das Wesentliche. Entschleunigt euer Leben, achtet auf die oft undeutlichen Spuren im Schnee. Und wartet auf das, was von sich her auf euch zukommt – Leben wir also im Advent mit offenen Augen, Ohren und Herzen. Dann begegnen wir dem Wunder.

 

Matthias Micheel
Referent von Diözesanadministrator Msgr. Dr. Bredeck

 

Tipp: Buch: Sylvain Tesson: Der Schneeleopard, Aus dem Französischen von Nicola Denis, Hamburg: Rowohlt Taschenbuch, 2022. Film: Der Schneeleopard, von Marie Amiguet und Vincent Munier. Regensburg: MFA+FilmDistribution, 2021.

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