„Man hört nur mit dem Herzen gut“

Trotz aller Medizintechnik bleibt das wichtigste Instrument der Ärzte – neben den eigenen Sinnen – das Stethoskop. Es hat eine verstärkende Membran, damit ich wirklich gut Herz, Lunge und Darmgeräusche abhören kann.

„Ich würde Sie gern abhorchen!“ – eine Bitte an meinen Patienten, in sein Inneres lauschen zu dürfen, ohne ihn aushorchen zu wollen. Jeder Mensch bleibt ein Geheimnis, aber um helfen zu können, muss ich ihn verstehen. Das erfordert von mir ungeteilte Aufmerksamkeit und z.T. ein Überschreiten intimer Grenzen. Dazu muss ich bei meinem Gegenüber vorsichtig „anklopfen“ und um Eintritt in seine Lebensrealität bitten. Dann wird er sich mir auch öffnen.

So werde ich etwas von der Lebendigkeit seines Lebens hören – und auch von dem, was nicht stimmt, vielleicht auch krankhaft ist. Ähnlich wie bei einem Arzt-Patienten-Gespräch ist es auch im seelsorglichen Gespräch und in der geistlichen Begleitung: Wenn ich behutsam anklopfe, um zu hören und zuzuhören, werde ich viel vom Geheimnis dieses Menschen erfahren.

Anatomisch hat das menschliche Herz zwei „Herzohren“. Es gilt also: „Man hört nur mit dem Herzen gut!“ Jesus, der göttliche Arzt, war ein Meister darin: „er wusste, was im Menschen ist“ (Joh 2,25b) und fand und findet Wege der Heilung. Für uns alle.

 

Sr. M. Alexandra Völzke FCJM
Fachärztin für Allgemeinmedizin

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