13. Dezember 2020

Friedenslicht

Der Gottesdienst für morgen muss vorbereitet werden. Ich sitze am Schreibtisch und schaue auf den Bibeltext des Tages, blättere durch das Gotteslob, aber meine Gedanken sind woanders. Es ist der Dienstag nach Allerseelen, der Tag nach dem Anschlag. Am Montag hatte in Wien einer um sich geschossen und Menschen umgebracht. Ich habe in Wien studiert. Die Bilder in den Nachrichten zeigen Gassen, in denen ich ging, Häuser, vor denen ich stand und Lokale, in denen ich mit Freunden saß. In den sozialen Medien posten sie ihren Status „XY ist in Sicherheit“. Gott sei Dank – denke ich einerseits, andererseits frage ich mich: Woher kommt in einem Menschen diese Energie, die ihn zum Mörder macht? Ist das Hass? Ist das Verachtung? Was für einer Mission hat sich so jemand verschrieben?

 

Als Pfadfinder zeigen wir jedes Jahr neu, dass unsere Mission Frieden ist. In der Grotte unter der Kirche in Betlehem, dort, wo der Überlieferung nach die Stelle ist, wo die Krippe stand und Jesus geboren wurde, da, wo Gott Mensch wurde, da entzündet ein Kind ein Licht, das wir über alle Grenzen in die ganze Welt verteilen, bis es auch bei jemandem Zuhause leuchtet. Dieses Jahr denke ich: Hat das denn überhaupt eine Wirkung? Das Licht ist nett, ist romantisch, passt irgendwie immer in das, was hier in Europa „weihnachtliche Stimmung“ sein soll. Aber was bringt es?

 

Die Schüsse, die Kugeln, die treffen. Die haben eine Wirkung: Menschen sind tot. Eine ganze Metropole ist in Angst und Europa erschüttert. Dagegen wirken wir Pfadfinder mit unseren Laternen doch fast, na ja, irgendwie lächerlich, oder? In mir schwingt Ohnmacht und es lockt Resignation, doch da fällt mein Blick auf das Gotteslob neben mir. Als ich die Seiten vorhin losgelassen hatte, ist die Nr. 549 obenauf geblieben. „Es wird sein…“ – so fängt es an. Ich kenne das Lied nicht und lese weiter.

 

Was ich lese, macht mir eine Gänsehaut.
Jede weitere Zeile, die ich entdecke, drängt Resignation und Ohnmacht zurück. Das Lied greift total die Stimmungen und Fragen auf, die da in mir sind: Kann die alte Botschaft vom Frieden heute noch etwas bewirken? Trägt Gottes Wort heute noch? Oder brechen wir ein und gehen unter?

Und dann spricht das Lied von Licht: „Wenn wir heute mutig wagen, auf Jesu Weg zu gehen, werden wir in unsern Tagen den kommenden Frieden sehn. Auf, kommt herbei! Lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“

Und mir wird klar, ich muss mich entscheiden. Licht oder Finsternis – wem gebe ich Raum in mir und wofür will ich stehen? In mir will der wohnen, der die Liebe ist! Kinder des Lichts nennt der Apostel Paulus die Getauften und schreibt: „Wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis… Wir aber, die dem Tag gehören, wollen nüchtern sein und uns rüsten mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf Rettung.“

 

Dafür steht doch das Licht aus Betlehem! Wenn ich es in meiner Laterne vor mir hertrage, dann steht es für das Licht, das ich in mir trage: Mein Glaube und die Beziehung zu diesem Jesus Christus. Unscheinbar und wehrlos erschien der, der in der Krippe lag. Und doch wurde er der, der den besiegt hat, der sich jeden Großen, Mächtigen und noch den Stärksten auf Erden unterwirft: den Tod.

 

Von dieser Kraft tragen wir in uns. Davon teilen wir aus, wenn wir das Licht weitergeben und deutlich machen: Wo dieses Licht scheint regiert nicht der Hass, nicht Gewalt, nicht Hetze und nicht Terror, sondern hier regiert der, der die Liebe ist!

 

Für wen bin ich da? – ist die Frage der Berufungspastoral im kommenden Jahr. Als Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind wir als Boten des Friedenslichtes da für alle, die sich vielleicht auch ohnmächtig fühlen und nahe daran sind zu resignieren angesichts der Dunkelheit in der Welt. In diesem Sinne laden wir ein, sich einzureihen und das Friedenslicht weiterzugeben, von verschiedenen Orten aus an andere Menschen. Wo du das Friedenslicht findest, erfährst Du hier.

 

Für heute mag das Lied, das mich so ermutigt und aufgerichtet hat, ein Begleiter für deinen Tag sein. Schlag es doch einfach selber nach – im Gotteslob unter der Nummer 549!

Zum Anhören/-sehen bei YouTube.

 

Gute Pfad! – und eine gute Zeit hin auf Weihnachten!

 

Pastor Tobias Hasselmeyer
Diözesankurat der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg im Erzbistum Paderborn

 

 

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