10. Dezember 2020

 „Bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan“

Im heutigen Tagesevangelium Mt 11,7b.11-15 beschreibt uns Matthäus die Reaktion Jesu auf die Frage seiner Jünger*innen nach Johannes dem Täufer. Wer ist denn Johannes der Täufer bzw. wer ist Jesus? Stehen sie in Konkurrenz oder arbeiten sie am gleichen Gottesplan? Und wer ist eigentlich der Wichtigere, der Höchste von beiden? Das sind Fragen, die die Jünger Jesu und auch die matthäische Gemeinde umtrieben, auf die das Christentum später allerdings klare Antworten formuliert hat. Heute beschäftigen uns diese Fragen vermutlich nicht mehr so existenziell, trotzdem möchte ich Ihren Blick auf ein matthäisches Jesuswort aus dem heutigen Evangelium lenken:

„Seit den Tagen Johannes’ des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich.“  (Mt 11,7b.11-15)

Dieses Zitat spricht mich an, vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich. Es spricht mich an, weil ich, weil wir nur zu gut wissen, dass es stimmt. Bis heute wird dem Himmelreich, dem Reich Gottes Gewalt angetan.

  • Es herrscht keine umfassende Gerechtigkeit, sondern zahlloses Unrecht geschieht ungesehen, ungehört und bleibt ungesühnt.
  • Es gibt kein himmlisches Gastmahl auf Erden, es herrschen Hunger, Raffgier und Hamsterkäufe viel zu oft vor.
  • Nächstenliebe ist nicht die einzige Maxime im menschlichen Miteinander, Egoismus, Verurteilung und Hass mischen sich ständig dazwischen.
  • Die Erde ist kein gemeinsames Haus von allen Geschöpfen, sondern zu oft Spielball des menschlichen Egoismus.
  • Und, und, und…

Das soll keine angstmachende, schwarzmalende Dystopie sein, sondern nur eine Erinnerung daran, dass dem Reich Gottes jeden Tag, im Kleinen und im Großen, Gewalt angetan wird. Dass wir uns oft gerade nicht den Ideen und Maximen des Himmelreichs verschreiben, sondern sie ins Gegenteil verkehren.

Vielleicht können wir als Impuls in den heutigen Tag diesen Vers mitnehmen und einmal ganz bewusst schauen: Wo wird in meiner Umgebung heute, ganz konkret, dem Gottesreich Gewalt angetan? Und vielleicht versuchen, so wie es uns in unserem Alltag möglich ist, uns heute immer wieder die Frage zu stellen: Was an meinem Verhalten hilft beim Aufbau des Reiches Gottes? Und gibt es auch Verhaltensweisen, die das Gottesreich dekonstruieren?

 

Sr.Jakoba Zöll 

Magistra Theologiae und Novizin der Olper Franziskanerinnen

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