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„Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1,38) Dieser Vers steht im heutigen Tagesevangelium. Die schlichten Worte „Mir geschehe“ bildeten das Jahresthema 2019 der Berufungspastoral in ganz Deutschland.

Bevor Maria damals ihre Zustimmung im „Mir geschehe“ geben konnte, erschrak sie zunächst, weil sie ganz persönlich durch die Botschaft des Engels von Gott angesprochen wurde. Sie allein war gemeint, niemand anderes. Ihr wurde ihre einmalige, unverwechselbare und persönliche Berufung von Gott zugesprochen. Ein erfreutes Erschrecken nehme ich auch heute bei jungen Menschen wahr, die sich ihrer Berufung der engeren Nachfolge Jesu mit der Zeit bewusst werden und sich schließlich für ihren Weg mit Gott entscheiden. Passt es allerdings noch in unsere Zeit, auf den Ruf eines anderen zu hören und nicht selbst der alleinige Garant für das eigene Leben zu sein? Was sagen wohl die Anderen zu meinem Weg?

Aus heutiger Sicht könnte der Einwand erhoben werden, dass eine Zustimmung auf einen lebensverändernden Ruf von außen, zu unterwürfig sei. Passt eine derartige passive Reaktion noch in unsere Zeit? Glück, Erfolg und Zufriedenheit im Leben scheinen wesentlich von der eigenen aktiven Leistung abzuhängen. Ist das individuelle Berufungsgeschehen, wie es auch bei Maria gezeigt wird, viel zu demütig?

Ich meine, das Gegenteil ist der Fall! Ihr Lebensbeispiel zeigt, dass erst Gott die Menschen groß werden lässt, größer, als es sich der Einzelne vielleicht vorzustellen vermag. „Der Mächtige hat Großes an mir getan.“ (LK 1,49) Dort, wo sich jeder Einzelne, wie Maria, mit offenen Armen und in vertrauender Haltung dem Vater im Himmel hin öffnet, findet ein Mensch seine Berufung, dann erfüllt sich seine tiefste Sehnsucht und es tritt Ruhe ins Herz ein.

Als Christen glauben wir, dass jeder Mensch durch den Willen Gottes in die Welt gerufen wurde und es für ihn einen Plan Gottes gibt. Gott setzt damit jeden Anfang eines Lebens. Wir Menschen sind deshalb berufen, mit Gott in Beziehung zu treten, die eigene Berufung zu erkennen und dadurch erst groß zu werden. So wird jeder mit dem eigenen Leben ein wirkmächtiges und individuelles Zeichen für die Existenz Gottes in der Welt.

 

Pastor Stefan Kendzorra, Leiter der Diözesanstelle Berufungspastoral im Erzbistum Paderborn