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Eine Kerze anzünden – eine schöne Sache, zumal im Advent. Heute wird die dritte Kerze angezündet. Heimelig, behaglich, friedlich, so ein Licht. Erst flackernd, sucht es nach dem Wachs, dann wachsend, schließlich tanzend, bis es ruhig brennt und strahlt.

Eine Kerze anzünden – geht immer, kommt immer gut an im Gottesdienst, hat immer eine Wirkung, bei Jungen und Alten, auch bei Pfadindern.

Letzter Tag im Zeltlager. Abschlussgottesdienst. Alle sitzen in großer Runde in der Jurte, in dem großen Zelt. Es ist dunkel. Draußen eh schon, die Sonne ist längst untergegangen, aber auch drinnen, das Feuer ist zu einem schwach glimmenden Leuchten zusammengebrannt. Man sieht die Hand vor Augen nicht. Aber wir wissen: alle sind da. Das Hüsteln, Atmen, Rascheln auf den Bänken, der Kontakt von nebenan lässt sie erahnen, die anderen. Ansonsten ist es still. Nichts zu hören, nichts zu sehen.

Ich knie mich an die Glut und sie reicht, dass ein Docht sich entzündet. Ich halte eine Kerze in meiner Hand. Ich gebe das Licht weiter. Links neben mir wird eine Kerze entzündet, rechts auch. Das Licht wandert und breitet sich aus. Und nach und nach tauchen sie auf aus der Dunkelheit: die Kinder, die Jugendlichen, die Leiter. Das Licht der Kerze, die sie in der Hand halten, scheint auf ihre Gesichter.

Es beginnt, da ist das Licht noch nicht einmal ganz herum. Meine Kerze ist aus! Die ist ausgegangen! Aua, ich habe Wachs auf der Hand! Hej, lass das! Die hat meine Kerze ausgepustet! Scheiße! Du Arsch!
Die noch kleine Flamme in den Atemzug gehalten, die Kerze nicht gerade gehalten und den Docht im flüssigen Wachs ertränkt, mit den Fingern am weichen Wachs gedrückt und sich verbrannt, Kerze fallen gelassen, von nebenan ausgepustet.
Himmelhergottnocheinmal! Könnt ihr nicht wenigstens einmal, ein einziges Mal…!!!

Nein, können sie nicht. Einige schon, aber nicht alle. Zu groß ist die Ablenkung, zu klein die Achtsamkeit, zu gewaltig die Verlockung meine Macht spielen zu lassen – und sei es nur die Kraft meines Atems – und zu verletzlich ist das, was da gerade erst aufgeleuchtet ist.

Also gut, das merke ich mir. Mit euch geht das also nicht. Selber schuld. So was werden wir sicher nicht noch einmal machen!

Doch, jedes Jahr wieder. Eine Kerze anzünden, weitergeben, um Achtsamkeit werben, um Frieden bitten.
Seit 25 Jahren wird ein Licht entzündet von Pfadfindern, nicht in der Jurte, in einer Grotte, in Betlehem.
Das Licht wird weitergegeben, von einer Hand zur andern Hand, über Grenzen und Kontinente hinweg. Eine Flamme ist es, die genauso strahlt, wie die in der Jurte, die genauso verletzlich ist und Achtsamkeit verlangt.

Es geht nicht um die Flamme, es geht um das, wofür sie brennt: Frieden.
Frieden ist verletzlich. Frieden braucht Achtsamkeit.
Frieden wird ausgelöscht, immer wieder.

Da sind die Atemzüge, die Stürme des Auslöschens sind aus der Macht derjenigen, die sich das Recht der Stärkeren anmaßen. Da erfahren Völker, dass nebeneinander sein nicht funktioniert. Da sind Menschen, die erfahren sich geknetet wie weicher Wachs in den Händen anderer, bis auch sie aus-gehen müssen.
In der Jurte wurde deutlich im Kleinen, wie schwierig das ist: einfach mal so sein lassen. Wie schwierig ist es erst im Großen!

Mit euch geht das also nicht. So etwas machen wir sicher nicht noch einmal.
Zum Glück ist Gott nicht so ungeduldig wie ich. Dass er die Hoffnung mit uns nicht aufgegeben hat, das hat er gezeigt mit dem, was in Betlehem geschehen ist: Christus ist geboren – denen, die im Dunkeln leben, strahlt ein Licht auf!

Dass wir die Hoffnung – zusammen mit Gott – nicht aufgeben, dass zeigen wir immer wieder mit dem Friedenslicht. Wir entzünden es. Wir geben es weiter. Wir bleiben achtsam.
Heute bei der diözesanen Aussendungsfeier um 15 Uhr in der Josefskirche in Dortmund

Dazu lädt herzlich ein

Vikar Tobias Hasselmeyer, Diözesankurat der DPSG Paderborn

Foto: DPSG Paderborn