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„Er richtet nicht nach dem Augenschein und nach dem Hörensagen entscheidet er nicht…“

(Jesaja 11,3b – aus der Tageslesung)

 

Gott schaut auf uns mit Wohlwollen

und hört die Zwischentöne in unseren Worten.

Doch: Wonach richte ich? Wie treffe ich meine Entscheidungen?

Spontan? Wohlüberlegt?

Pi mal Daumen ist eine ungenaue mathematische Größe.

Auge und Ohr, Verstand und Gefühl können sich täuschen.

Achtung vor Fata Morganas, Fake News und Gespenstern!

Oft lohnt sich der prüfende zweite Blick

und das Anhören einer zweiten Meinung.

Mühevoll, aber:

Wer die Wahrheit liebt, wird Philosoph

oder geht ans Kreuz.

 

Zum weisen Sokrates kam einer und sagte: “Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!”

“Halte ein!” unterbracht ihn der Weise, “hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?”

“Drei Siebe?”, fragte der andere voller Verwunderung.

“Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. – Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?”

“Nein, ich hörte es jemanden erzählen und…”

“So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. – Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, gut?”

Zögernd sagte der andere: “Nein, im Gegenteil…”

“Hm”, unterbrach ihn der Weise, “so lasst uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?”

“Notwendig nun gerade nicht …”

“Also”, sagte lächelnd der Weise, “wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.”

Quelle unbekannt

 

Sr. M. Alexandra Völzke FCJM