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„Suche Frieden.“ Das klingt besinnlich. Das klingt nach Adventwohlfühlatmosphäre. Das klingt nach der Einladung: „Steig‘ aus aus der Hektik. Komm‘ zur Ruh.“ Und mal ehrlich: Das wünschen sich ja viele von uns, oder?

Doch der Satz im Psalm 34 lautet vollständig: „Meide das Böse und tu das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach!“

„Nachjagen“, das klingt anstrengend. Das klingt so gar nicht mehr besinnlich. Und dann auch noch dem Frieden?? Das klingt, als könnte mir da schnell die Puste ausgehen.

Ob wir Nachrichten von den großen Krisenherden dieser Welt gucken oder uns unsere kleinen sinnlosen Streitigkeiten vor Augen führen: Frieden erscheint uns oft unerreichbar.  Und dann sind wir als Christ*innen schnell geneigt zu sagen: „Ach, mit dem Frieden, da ist der innerliche Frieden gemeint, der Friede in meinem Herzen. Nicht der, wie ihn die Welt uns gibt. Sondern der Friede, den nur Gott uns geben kann.“

All das ist zwar nicht falsch, aber es droht schnell, verkürzt zu werden. Dürfen wir uns als Christ*innen hier und heute, die wir größtenteils selbst von Kriegen ein Leben lang bisher verschont blieben, wirklich damit zufriedengeben, zu sagen: „Frieden, das ist was für realitätsfremde Naivlinge, die einfach noch nicht aufgewacht sind…“? Oder erweist sich nicht unsere Spiritualität gerade dann als christlich, wenn sie uns zwar durchatmen lässt, aber gerade dadurch die Kraft und den langen Atem gibt, uns immer wieder für ein besseres und friedliches Miteinander auch gesellschaftlich und politisch zu engagieren, sich nicht mit weniger abspeisen zu lassen?

Adolph Kolping, dessen Gedenktag wir heute feiern, hat uns diese Verbindung von Spiritualität und sozialem Engagement vorgelebt: Er hat aufgefordert innezuhalten, sich neu auszurichten, “oft, aber wenig“ zu beten – und sich dann mit ganzer Kraft für soziale Gerechtigkeit und gegen Missstände einzusetzen.

Markus Wippermann, Diözesanseelsorger BDKJ Paderborn