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Es ist kalt heute Morgen, als ich mich im Halbdunklen auf den Weg in den Garten mache. Ich stapfe über die nasse Wiese, um am Kirschbaum ein paar Zweige für die Vase abzuschneiden. Und wie jedes Jahr stelle ich mir die Frage: Werden sie zu Weihnachten blühen? Was wird geschehen?

Mit dem Reinholen der Zweige denken wir an eine alte Legende der Hl. Barbara. Weil sie sich zu Christus bekannte, wurde sie im 3.Jahrhundert von ihrem eigenen Vater in einen Turm gesperrt. Dort pflegte sie einen Zweig, der sich in ihren Kleidern verfangen hatte. Am Tag ihres Todes blühte der Zweig.

Diese Legende verweist auf die Auferstehungshoffnung der Christen. Nach dem Tod wird das Leben blühen. Auch wenn es dunkel wird und das Leben des Menschen auf dieser Erde beendet ist, so wird es, nach unserem Glauben, ein neues Leben in der Ewigkeit geben. Das wird uns geschehen.

Vielleicht können die Legende der Hl. Barbara und der blühende Zweig mitten im Winter auch ein Hoffnungszeichen für die aktuelle Zeit sein?! Die Dunkelheit und Kälte sind nicht nur durch die Jahreszeit, sondern auch im Umgang der Menschen miteinander zu spüren. Der Ton wird rauer, die Hemmschwelle für Gewalt sinkt, Ausgrenzung, Beschimpfungen und Beleidigungen scheinen an der Tagesordnung zu sein. Und wir fragen uns: Was wird geschehen?

Vielleicht müssen wir tatsächlich rausgehen, auch wenn es kalt und dunkel ist. Vielleicht müssen wir hinsehen, wo das Leben tot scheint. Vielleicht müssen wir die grauen und dunklen Dinge ins Licht und in die Wärme holen. Vielleicht dürfen wir nicht einfach geschehen lassen. Vielleicht braucht es unseren Aufbruch unseren Mut uns unsere Entschlossenheit, damit es geschieht.

 Michaela Welling, Direktorin im Pauluskolleg in Paderborn